+++++ Deutsches Girlloverforum(GLF) feiert am 25. April 2017 den diesjährigen Alice-Day +++++

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"Zieh deine Schuhe aus. Du stehst auf heiligem Boden!"

Mit diesem Eindruck beschreibt der alternde Charles Ludwidge Dodgson, bekannt als Lewis Carroll, das, was ihn bewegt haben mochte, als er Alice Liddell zum ersten Mal begegnet war, am 25. April 1856. Die Worte spricht Arthur Forester in -Sylvie and Bruno-, einem Roman, in dem Carroll seine Liebe zu Alice und die erträumte Beziehung zu ihr beschreibt. Er selbst hatte sich nie dazu bekannt. Selbst seine persönlichen Aufzeichnungen von diesem Tag, Freitag, dem 25. April 1856, sind, gerade auf Alice bezogen, äußerst dürftig. Mit einem anderen Hobbyfotografen ging er nach den Osterferien...


"[...] zum Dekanat, um ein Foto der Kathedrale [Christ Church] aufzunehmen. Beide Versuche scheiterten. Die meiste Zeit über waren die drei kleinen Mädchen im Garten und wir wurden die besten Freunde: Wir versuchten, sie im Vordergrund des Bildes zu gruppieren, aber sie konnten nicht still sitzen."

Dann deutete er noch an, dass dieser Tag ihm besonders gelungen erschienen war. Warum, verriet er nicht. Die Töchter seines Kollegen Henry George Liddell wurden seine liebsten Fotomotive, am meisten natürlich Alice, die im Frühjahr 1856 gerade vier Jahre alt war.

An diesem Tag begann mehr als nur eine ungewöhnliche Liebesgeschichte. Dass Lewis Carroll "seine" Alice besonders verehrte, ist längst bekannt. Die Biographen wanden sich meist auf mehr oder weniger gekünstelte Weise um dieses Thema herum. Man erklärte es mit seinem Beruf, seiner Kindheit oder auch gar nicht. Jeder Erklärungsversuch hinterließ aber ein Fragezeichen, etwas, das jeder Logik trotzte und keinen Sinn ergab.

Das Buch, das er ihr widmete, "Alice im Wunderland", ist ebenso wie diese Freundschaft voll mit Unerklärbarem: In keiner Zeile findet man die etwas herablassende Gelehrsamkeit, die die Kinderbücher in der damals noch jungen Tradition der Aufklärung kennzeichneten. Wie eine kleine Enzyklopädie waren diese oft aufgebaut, lehrreich bebildert und betextet, dazu unterhaltsam, denn man wollte die kleinen Lernenden ja bei der Stange halten.

Viele dieser Kinderbücher des 19. Jahrhunderts beantworteten Fragen, die Kinder nicht gestellt haben, gaben sittliche oder religiös erbauliche Hinweise, wie man sich zu verhalten habe. Sie vermittelten eine kleine, durch und durch erklärte Welt, die wachsen konnte, bis die Kinder für den weiteren Bildungsweg gerüstet waren. Man könnte annehmen, dass den Erwachsenen damals die Ausbildung und sittlich-religiöse Erziehung der Kinder sehr wichtig gewesen ist. Tatsächlich waren aber diese Bücher nur den Kindern aus reichen Elternhäusern zugänglich. Die anderen Kinder waren entweder in der Landwirtschaft oder Industrie beschäftigt.

In scharfem Kontrast zu den betulichen für Kinder gemachten Büchern stand die Wirklichkeit derjenigen Kinder, die arbeiten mussten. Es ist sicher, dass die industrielle Revolution, die in England begann, ohne die Arbeit der Kinder nicht möglich gewesen wäre. Die engen Stollen in den Bergwerken waren oft nur den kleinsten gerade schon arbeitsfähigen Kindern zugänglich, in den Fabrikhallen konnten Maschinen nur von Kindern gewartet werden, die eine bestimmte maximale Größe nicht überschritten. Unzählige von ihnen kamen jedes Jahr um, wurden von rotierenden Dampfmaschinenwellen zerrissen, erstickten in Bergwerken oder starben an Staublunge, Vergiftungen oder bei Arbeitsunfällen. So hatten Kinder zwei anscheinend gegensätzliche Funktionen: Einerseits, das Wissen der Erwachsenen aufzunehmen, um es eines Tages selbst weitergeben zu können, andererseits, die Arbeiten der Erwachsenen zu verrichten, wenn diese nicht ausreichend zur Verfügung standen. Sich mit ihren Gedanken abzugeben, war überflüssig.

Trotzdem hatte dieser Tag vor 145 Jahren zur Entstehung eines Buches geführt, das mit diesen Funktionen der jüngsten Bürger überhaupt nichts zu tun hatte: Welchen Sinn sollte es haben, Wortspiele wörtlich zu nehmen, logische Zirkelschlüsse und ihre komischen Konsequenzen darzustellen ? Sprechende Tiere waren zwar nichts Neues, sie hatten aber als Protagonisten von Fabeln die Funktion, nutzbares Wissen unterhaltsam zu transportieren. Aber in -Alice im Wunderland- gaben sie Nonsens von sich, ohne religiöse oder sittliche Bedeutung. Die Erzählung folgt allein der Logik von Kindern, ohne sich in einer Lehre oder Verhaltensregel aufzulösen. Auffällig war es nur durch die Differenz zu allem Anderen, das in dieser Zeit für Kinder geschrieben worden ist: Statt dem unreifen Kind die Gedanken der Erwachsenen nahe zu bringen, ging es den umgekehrten Weg.

Gleichzeitig benahm sich dieser Mathematiker und Theologe reichlich seltsam: Er behandelte die kleinen Mädchen, die er kannte, höflich wie ein Gentleman eine Dame behandelt, umwarb sie wie ein Liebhaber und man darf davon ausgehen, dass er sie auch so behandelte, wenn sie allein waren: Ganz plötzlich – über den Grund ist nie etwas bekannt geworden – endete die Freundschaft zwischen Lewis Carroll und der Familie Liddell. Es muss etwas mit Alice zu tun gehabt haben, die vermutlich mit ihrem bald 30jährigen Verehrer in flagranti erwischt wurde. Auch später kam es einmal zu einem Skandal im Zusammenhang mit Aktfotos, die er von seinen kleinen Freundinnen aufgenommen hatte. Von diesen Fotos ist nur ein kleiner Teil erhalten, denn seine Erben vernichteten fast alle, die sie fanden.

Der Alice-Day markiert den Beginn einer neuen Sicht auf Kinder: Es erschienen nach -Alice im Wunderland- immer wieder Kinderbücher anderer Autoren, die sich redlich bemühten, das Denken von Kindern wahr zu nehmen und den Unterschied zur geordneten Erwachsenenwelt darzustellen – meist allerdings zu dem Zweck, dieses unreife Denken effizienter zu korrigieren und erwachsener zu machen.

Aber das ist nicht alles. Am Alice-Day begann mit der Liebe eines Mannes zu einem Kind auch die Geschichte ihrer Verdrängung. Nie hat Lewis Carroll sich zu dem bekennen dürfen, was zwischen ihm und Alice geschah. Er selbst vermied jeden Hinweis auf seine Liebe zu kleinen Mädchen, um sich nicht den Ruf eines unanständigen Lebenswandels zuzuziehen. Gleichzeitig war das, was man bemerkte, so skandalös, dass es nie ausgesprochen wurde. Auch nach seinem Tode versuchte man, ihn von dem unaussprechlichen Makel der erotischen Liebe zu Kindern reinigen und zerstörte die meisten Hinweise darauf.

Wir können sicher sein, dass Carroll an jedem 25.April an den Urknall dachte, der ihn damals erschüttert hatte. Vielleicht hat er diesen Tag mit eigenen Feierlichkeiten begangen – allein, denn er war ein Symbol für das, was ihn von den anderen nicht nur unterschied, sondern so weit entfernte, dass er später immer mehr vereinsamte. Jedes Bekenntnis dazu hätte seine Existenz vernichtet.

So kommt es, dass alle, die sich mit Lewis Carroll in der Liebe zu Kindern einig sind, bis heute diesen Tag nicht -feiern- im Sinne der Erinnerung an ein Ereignis, das eine gemeinsame Identität für pädophile Mädchenliebhaber gestiftet hätte. Die meisten von ihnen kennen nicht einmal das Datum. Der 25. April ist also ein Feiertag ohne Tradition. Diese wird nur dadurch möglich, dass man sich über die symbolische Bedeutung dieses Datums austauscht und feststellt: WIR haben was zu feiern! Das war bisher nicht möglich durch den ungeheueren Vefolgungsdruck, dem Pädophile ausgesetzt sind, besonders diejenigen, die schon als solche aktenkundig sind. Die anderen warten auf den Tag ihrer ersten Hausdurchsuchung oder wagen es nicht, überhaupt Kontakte zu Kindern aufzunehmen.

Die Situation ist der vor 145 Jahren in mancher Hinsicht ähnlich: Immer noch entstehen Bücher für Kinder, die ihnen klar zu machen versuchen, wie sie künftig zu denken haben und bis heute werden allein in Deutschland jährlich Hunderte von ihnen für die Industriekultur verheizt – zwar sterben sie nicht mehr in Bergwerken und Maschinenhallen, dafür aber auf der Straße und als Opfer elterlicher Wutanfälle. Die krasse Zweiteilung des Bewusstseins im Umgang mit Kindern ist die gleiche wie im viktorianischen England!

Der 25. April ist auch ein Tag, an dem daran erinnert werden kann, dass es eine noch nicht erkannte Differenz zu Kindern gibt: Etwas, das sich nicht in das System von Leistung und Gegenleistung fügt, das überall herrscht. Es ist die Freude am Sinnlosen, dem Urlaub der Seele, dem Spiel, das keine Regeln kennt. Wenn wir uns gemeinsam an diesen Tag erinnern, dann zeigen wir auch, dass uns diese Freude noch nicht vergangen ist, die wir mit den Kindern teilen, die wir lieben.

geschrieben von K13online-Redaktion am 25.04.2017 Drucken

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