„Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren.“ Karl Popper
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Text - Tagebuch einer Gefangenschaft: 120. - 122. Tag

Tagebuch einer Gefangenschaft: 120. Tag, Mittwoch, den 14. September 2016 in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

Heute ist mein 61. Geburtstag. Nun, Geburtstagsfeiern gab es in diesem "Greisenalter" sowieso schon nicht mehr. Werfe vier Briefe in den Kasten auf der 1. Ebene ein und lese am Morgen alle meine geschriebenen und erhaltene Briefe nochmals durch. Es sind inzwischen weit über Hundert. Um 10 Uhr ist wieder Haftraumkonkrolle - alles in Ordnung. Vom Dienstzimmer hole ich mir die SZ ab. Peter K. und der Gefangene auf Zelle 4310 gratulieren wir zum Geburtstag. Lade Peter K. zum Nachmittag-Kaffe mit Kuchen ein. Der TV läuft im Hintergrund und danach wieder mein Lieblingssender SWR4. Beim Hofgang schaue ich den Gefangenen beim Fußballspielen & Vollyball zu. Das Mitspielen muss ich mir verkneifen, denn ich bin unsicher, ob und wer mich davon kennt. Ein Faul kann ich mir nicht erlauben. Die Fußballer haben sogar einen eigenen Schiedrichter. Die JVA bietet sogar einen Schiedrichterkurs an. Von früher habe auch ich noch eine Fußballschiedrichter-Lizenz. Am Abend lass ich mir wieder Kopfschmerztabletten durch einen Sanitäter bringen. So monotan endet mein 61. Geburtstag.


Tagebuch einer Gefangenschaft: 121. Tag, Donnertag, den 15. September 2016 in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

Bei Aufschluss stehe ich heute Morgen mal auf und schalte gleich SWR4 ein. Peter K. kommt mich wieder besuchen. Heute bekomme ich wieder Post aus den Niederlanden vom Aktivisten Ad van den Berg. Den Realnamen kann ich hier in meinem Online-Tagebuch nennen, denn er gehört in Holland zu den bekanntesten Boylovern. Zum Hofgang um 15 Uhr gehen Peter K. und ich wieder gemeinsam. Er hat mal wieder schlechte Laune. Kein Wunder nach über 15 Jahren Knast. Versuche, Ihn aufzumuntern. Nicht ganz so einfach, wenn es einem selbst auch nicht besonders gut geht. Auf keinen Fall darf man sich gegenseitig runter ziehen.


Tagebuch einer Gefangenschaft: 122. Tag, Freitag, den 16. September 2016 in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

Heute wäre eigentlich der 2/3 Termin für eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung. Die Strafvollstreckungskammer(StVollK) hatte in der Niederschrift zur Anhörung eine Entscheidung darüber bis heute angekündigt. Wenn alles korrekt verlaufen wäre, dann wäre ich heute entlassen worden. Weil ich bis zur letzten Minute darauf gehofft hatte, geben ich mein Wäschenetz nicht ab, weil ich Peter K. meinen Rest-Einkauf darin versprochen hatte. Denn würden uns nicht mehr persönlich verabschieden können, denn die Entlassungen finden während der Einschlusszeiten statt. Weil bis zum Mittagessen keine Entlassung stattgefunden hat, steht fest, dass ich heute nicht mehr rauskommen werde. Ab jetzt kann ich aber an jedem weiteren Tag entlassen werden, denn der 2/3 Termin ist heute. Diese Ungewissheit macht freue, aber belastet auch. Beim Hofgang mit Peter K. unterhalten wir uns natürlich über diese Möglichkeit meiner Entlassung. Er sagt mir schon, dass daraus nix werden wird. Und er sollte leider Recht behalten. Auch meiner Zelle unterhalte ich mich mit Peter K. weiter, und wir schauen gemeinsam TV. Wir tauschen wieder Abendessen. Am Wochenende gibts keine Entlassungen...


Tagebuch einer Gefangenschaft: 119. Tag, Dienstag, den 13. September 2016 in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

http://krumme13.org/text.php?id=1355&s=read

geschrieben am 06.11.2017
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Autor K13online
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