Die Auserwählten: ARD sendet Wiederholung des Fernsehfilms über die frühere Odenwaldschule, wobei die im Film handelnden Personen und ihre beruflichen und privaten Handlungen und Konflikte frei erfunden sind

Der zweite Schüler wehrte sich dagegen, im Film fälschlicherweise zum Opfer gemacht zu werden:  Er sei, anders als dargestellt, nicht missbraucht worden 

Die Erstausstrahlung des Fernsehfilms "Die Auserwählten" war im Jahr 2014. Zwei ehemalige Schüler an der früheren Odenwaldschule hatten auf Unterlassung geklagt, um die erneute Ausstrahlung zu verhindern. Der Bundesgerichtshof(BGH) wies nun die Revision mit Urteil vom 21. Mai 2021 ab. Promt sendete die ARD am gestrigen Mittwoch eine Wiederholung. Zitate WELT-Online: Der Anwalt eines Ex-Schülers sagte dagegen dem "Spiegel", die Darstellung seines Mandanten, ein Opfer des damaligen Missbrauchs, sei nicht weniger als die "Ausbeutung eines Lebensschicksals". Die Beweislage sei "derart erdrückend", dass der zuständige WDR-Intendant Tom Buhrow eine Lösung herbeiführen müsse. Der zweite Schüler wehrt sich dagegen, im Film fälschlicherweise zum Opfer gemacht zu werden. Er sei, anders als dargestellt, nicht missbraucht worden. Da er in den 1980er-Jahre der einzige Punk an der Odenwaldschule gewesen sei, könne er wiedererkannt werden. Der eine Ex-Schüler, der im Fernsehfilm Frank Hoffmann heißt und von dem Jungen Leon Seidel gespielt wird, ist der heute Erwachsene Andreas Huckele(Buchautor Jürgen Dehmers). Er betreibt heute eine Praxis für Sexualität, Trauma & Partnerschaft und hat eine eigene Webseite. Die ARD gibt zwar den folgenden Hinweis: Dieser Film ist kein Dokumentarfilm. Er ist ein Spielfilm auf der Grundlage eines historischen Stoffs. Der Missbrauch von Schülern an der Odenwaldschule durch Lehrpersonal ist historische Realität. Die im Film handelnden Personen und ihre beruflichen und privaten Handlungen und Konflikte sind dagegen erfunden. Der TV-Zuschauer bringt jedoch die Filmhandlungen trotzdem in einen Kausalzusammenhang mit der Odenwaldschule. Insbesondere mit Gerold Becker, dem Leiter der damaligen Schule. Wenn die ganze Geschichte im Film eine fiktive Erfindung ist, wo liegt dann die historische Realität? Wikipedia stellt dazu fest:  Alle angestrengten strafrechtlichen Verfahren gegen die verantwortlichen Akteure der Schule wurden eingestellt. Die hauptsächlich beklagten Mitarbeiter der Odenwaldschule, der ehemalige Musiklehrer Wolfgang Held († 2006), Jürgen Kahle († 2012) und der damalige Schulleiter Gerold Becker(† 2010), verstarben ohne Verurteilung. Die Odenwaldschule existiert seit 2015 nicht mehr.  An dem hessischen Internat war im Jahr 2010 ein lange unter der Decke gehaltener Missbrauchsskandal hochgekocht. Vor Jahrzehnten hatten sich Lehrer demnach an mindestens 132 Schülern vergriffen. Juristisch bewiesen wurden diese Behauptungen jedoch nicht, denn wenn es diese tatsächlich gegeben haben sollte, waren diese schon damals alle verjährt. Der Fernsehfilm "Die Auserwählten" ist KEIN Dokumentarfilm und damit reine Fiktion bzw. entspringt der Fantasie des Regisseurs Christoph Röhl.... 

https://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/sendung/die-auserwaehlten-158.html



+

(Andreas Huckele/Jürgen Dehmers als Erwachsener + Frank Hoffmann/Leon Seidel im Fernsehfilm)   

Zitate

Unterlassungsklage gegen den Film „Die Auserwählten“ (2014)

Gegen den 2014 von der ARD ausgestrahlten Fernsehfilm Die Auserwählten von Christoph Röhl, der den systematischen Kindesmissbrauch an der Odenwaldschule unter Gerold Becker thematisiert, reichte Huckele 2014 eine Unterlassungsklage ein, da er sich in der Filmfigur des Schülers „Frank Hoffmann“ wiedererkannte und seine Persönlichkeitsrechte resp. das Recht am eigenen Bild missachtet sah. Nachdem er in erster Instanz am Landgericht Hamburg zunächst erfolgreich eine einstweilige Verfügung gegen den Film erwirkt hatte, wies der Bundesgerichtshof 2021 letztinstanzlich die Klage gegen die weitere Verbreitung von Szenen des Films ab und wertete die Kunst- und Filmfreiheit in dem konkreten Fall höher.[13]

https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Huckele 


 

Heute zeigt die ARD „Die Auserwählten“. Der an Originalschauplätzen gedrehte Film thematisiert den sexuellen Missbrauch an der Odenwaldschule.

Ein Betroffener, der ein Buch hierüber geschrieben und sich insoweit der Öffentlichkeit geöffnet hatte, ist als Vorbild für die zentrale Filmfigur zu erkennen. Der Mann, der eine Zusammenarbeit mit dem Filmprojekt abgelehnt hatte, sah seine Persönlichkeitsrechte verletzt und klagte erfolglos an den Hamburger Gerichten. Auch der Bundesgerichtshof wies die Revision mit Urteil vom 18. Mai 2021 – VI ZR 441/19 ab:

Der Kläger kann sein Unterlassungsbegehren nicht auf sein Recht am eigenen Bild stützen. Der Senat hat eine insoweit in Rechtsprechung und Literatur umstrittene Rechtsfrage dahin entschieden, dass eine als solche erkennbare bloße Darstellung einer realen Person durch einen Schauspieler in einem Spielfilm kein Bildnis der dargestellten Person i.S.d. § 22 Satz 1 KUG ist. Dieser Schutz steht im Falle der als solche erkennbaren bloßen Darstellung einer Person durch einen Schauspieler dem Schauspieler zu, der in diesem Fall auch in seiner Rolle noch „eigenpersönlich“ und damit als er selbst erkennbar bleibt. Als Bildnis der dargestellten Person ist die Darstellung dagegen (erst) dann anzusehen, wenn der täuschend echte Eindruck erweckt wird, es handele sich um die dargestellte Person selbst, wie dies etwa bei dem Einsatz eines Doppelgängers oder einer nachgestellten berühmten Szene oder Fotographie der Fall sein kann.

Der Anspruch ergibt sich bei der gebotenen kunstspezifischen Betrachtungsweise auch nicht aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrechts des Klägers (§ 1004 Abs. 1 Satz 2 analog, § 823 Abs. 1 BGB i.V.m. Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG). Zwar ist der Kläger durch die ausgeprägten Übereinstimmungen zwischen seinem Schicksal und der Darstellung der entsprechenden zentralen Filmfigur in seinem Persönlichkeitsrecht betroffen. Auch verstärkt die in der besonderen Intensität der visuellen Darstellung liegende suggestive Kraft eines Spielfilms diese Betroffenheit. Doch wiegt diese Betroffenheit im Ergebnis und unter maßgeblicher Berücksichtigung der von dem Kläger in der Vergangenheit praktizierten Selbstöffnung nicht so schwer, dass die zugunsten der Beklagten streitende Kunst- und Filmfreiheit zurücktreten müsste.

Quelle

https://kanzleikompa.de 


 

WELT-Online

https://www.welt.de/regionales/nrw/article132727540/Opfer-gehen-gegen-Film-ueber-Odenwaldschule-vor.html


 

Themenabend im Ersten: Kindesmissbrauch an der Odenwaldschule - Zwei damalige Schüler haben vergeblich versucht, die Ausstrahlung des fiktiven Fernsehfilms "Die Auserwählten" zu verhindern 02.10.2014

Einvernehmliche Sexualität zwischen Kindern/Jugendliche & Erwachsenen wird fast völlig ausgeblendet: Die Rolle & Handlung des Schulleiters Simon Pistorius(Ulrich Tukur)ist eine Erfindung des Regisseurs Christoph Röhl

Dieser Film ist kein Dokumentarfilm. Er ist ein Spielfilm auf der Grundlage eines historischen Stoffs. Die im Film handelnden Personen und ihre beruflichen und privaten Handlungen und Konflikte sind dagegen erfunden. Die historische Realität ist, das es die Kunstlehrerin Petra Grust(Julia Jentsch) an der Odenwaldschule nie gegeben hat. Die Spielhandlungen basieren auf Fiktion. Aus diesem Grunde konnten zwei damalige Knaben, die sich u.a. in der Figur des Jungen Frank Hoffmann(Leon Seidel) wieder erkannt haben wollen, die Ausstrahlung dieses realitätsfremden Films nicht verhindern. Ein Junge bestreitet sogar, missbraucht worden zu sein. Damit wird auch die Rolle & Handlung des Schulleiters Simon Pistorius(Ulrich Tukur) zur Erfindung des Regisseurs Christoph Röhl. Die sexualbezogenen Filmsequenzen regen den Zuschauer/In zur blühenden Fantasie an. Mit der damaligen Realität an der Odenwaldschule hat dieser Fernsehfilm nicht viel zu tun. Die mit Sicherheit (auch) stattgefundene einvernehmliche Sexualität wird fast völlig ausgeblendet. Lediglich in zwei Filmszene sind einvernehmliche sexuelle Beziehungen zwischen Kindern/Jugendlichen & Erwachsenen deutlich zu erkennen. Insgesamt schürt der Fernsehfilm irrationale Ängste und Vorurteile gegen pädophil-liebende Menschen... 

https://krumme13.org/news.php?s=read&id=2907

geschrieben von K13online-Redaktion am 10.06.2021 Drucken

Copyright by K13-Online-Redaktion