Direkt aus dem dpa-Newskanal bei ZEIT-Online: Die Öffentlichkeit müsse sich von dem Gedanken lösen, dass Prognosegutachten von Sexualstraftätern eine Weissagung für die Zukunft sind, sagt der Psychiater Stephan Bork

Man kriegt ja die Pädophilie nicht weg: Das ist eine tief in der Persönlichkeit sitzende sexuelle Orientierung so wie Heterosexualität oder Homosexualität oder Bisexualität.» 

Die Deutsche Presse-Agentur(dpa) hat in ihrem Newskanal eine neue Pressemitteilung veröffentlicht, die auch von ZEIT-Online im Original übernommen wurde: Die Öffentlichkeit muss sich nach Auskunft des Forensischen Psychiaters Stephan Bork von dem Gedanken lösen, dass Prognosegutachten von Sexualstraftätern eine Weissagung für die Zukunft sind. Die wenigsten Sexualstraftäter, die eine pädophile Ausrichtung haben, wollen nach Auskunft von Bork eine Straftat begehen. «Es ist nicht so, dass die Leute draußen rumlaufen und sagen «Jetzt möchte ich aber echt mal wieder eine schlimme Sexualstraftat begehen».» In der jeweiligen Therapie geht es laut Bork darum, die von Pädophilie Betroffenen in einen Zustand zu versetzen, dass sie mit ihren pädophilen Bedürfnissen eigenverantwortlich so umgehen können, dass niemand anders zu Schaden komme. «Das ist ja das Behandlungsziel. Man kriegt ja die Pädophilie nicht weg. Das ist eine tief in der Persönlichkeit sitzende sexuelle Orientierung so wie Heterosexualität oder Homosexualität oder Bisexualität.» K13online begrüßt diese Erkenntnis des Psychotherapeuten am Universitätsklinikum in Tübingen. Die Pädophilie/Pädosexualität ist unabhängig von den bestehenden Strafgesetzen eine eigenständige sexuelle Neigung/Orientierung/sexuelle Identität. Die weit überwiegende Mehrheit dieser sexuellen Minderheit begeht keine Sexualstraftaten. Rund die Hälfte dieser Deliktsarten wird nicht von Pädophilen/Pädosexuellen begangen. Darüber hinaus berücksichtigt der Gesetzgeber und in der Folge die Justiz nicht die Einvernehmlichkeit bei der Sexualität zwischen Erwachsenen & Kindern/Jugendlichen. Würde es die bestehenden Unrechtsgesetze nicht geben, dann wäre der Anteil von sexueller Gewalt gegen Jungen & Mädchen, die von Pädophilen/Pädosexuellen begangen werden, nochmals erheblich gemindert. Allerdings gibt es auch Kritik an Dr. Stephan Bork: Pädophile Menschen benötigen grundsätzlich keine Therapie allein wegen ihrer Sexualität, sondern im Einzelfall nur dann, wenn sie darunter leiden. Ein solcher Leidensdruck entsteht durch die gesellschaftliche Ausgrenzung & Verfolgung. Ängste & Depressionen etc... können die Folge sein. Jede Form der Diskriminierung & Kriminalisierung ist im Sinne eines effektiven Kinderschutzes vor sexualisierter Gewalt völlig kontraproduktiv. Wir zitieren wiederholt George Orwell und Albert Einstein mit einem Klick auf weiterlesen...  

https://www.zeit.de/news/2022-08/07/experte-gutachten-ueber-sexualstraftaeter-keine-weissagung



Die Öffentlichkeit muss sich nach Auskunft des Forensischen Psychiaters Stephan Bork von dem Gedanken lösen, dass Prognosegutachten von Sexualstraftätern eine Weissagung für die Zukunft sind. In Fällen, bei denen es nach der Haftentlassung zu erneuten Übergriffen komme, stehe oftmals die unmittelbare Bedürfnisbefriedigung des Täters im Vordergrund. «Ein Teil der Therapie ist es, zu rekonstruieren und mit den Probanden zu klären, an welcher Stelle sie autonom eine Entscheidung in eine andere Richtung hätten treffen können, sollen und müssen», sagte Bork, der an der Abteilung Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik in Tübingen tätig ist.

Bork ist auch Leiter der Gutachtenstelle der Klinik und der Forensisch-psychiatrischen Ambulanz. Er und sein Team therapieren unter anderem Sexualstraftäter und erstellen sogenannte Prognosegutachten vor der Entlassung.

Der im Fall der toten Schülerin aus dem südbadischen Gottenheim gefasste 29 Jahre alte Mann aus Hessen war bis Anfang des Jahres in einem Programm für rückfallgefährdete Sexualstraftäter. Er war als Jugendlicher für zehn Jahre wegen eines versuchten Sexualdelikts in ein psychiatrisches Krankenhaus gekommen. Der Verdächtige bestritt zunächst die Vorwürfe und schweigt nun. Diese lauten: Entziehung Minderjähriger, sexuelle Nötigung und Mord in Verdeckungsabsicht.

Ein Prognosegutachten sei ein Risikomanagement-Instrument, das versucht, zu ergründen, welche Risikofaktoren und welche Schutzfaktoren bei den Probanden bestehen, sagte Bork. Die Gutachten bescheinigten den jeweiligen Betroffenen ein hohes, mittleres oder niedriges Risiko, eine Straftat zu begehen. Zur Kritik in der Öffentlichkeit, wenn es zu Übergriffen nach der Haftentlassung trotz eines günstigen Gutachtens kommt, sagte Bork: «Das ist so, wie wenn die Wettervorhersage sagt, wir haben 20 Prozent Regenwahrscheinlichkeit morgen. Dann sagen Sie ja auch nicht, die Wettervorhersage ist falsch, wenn es dann nicht regnet.»

Die wenigsten Sexualstraftäter, die eine pädophile Ausrichtung haben, wollen nach Auskunft von Bork eine Straftat begehen. «Es ist nicht so, dass die Leute draußen rumlaufen und sagen «Jetzt möchte ich aber echt mal wieder eine schlimme Sexualstraftat begehen».»

In der jeweiligen Therapie geht es laut Bork darum, die von Pädophilie Betroffenen in einen Zustand zu versetzen, dass sie mit ihren pädophilen Bedürfnissen eigenverantwortlich so umgehen können, dass niemand anders zu Schaden komme. «Das ist ja das Behandlungsziel. Man kriegt ja die Pädophilie nicht weg. Das ist eine tief in der Persönlichkeit sitzende sexuelle Orientierung so wie Heterosexualität oder Homosexualität oder Bisexualität.» Generell seien Straftaten durch Therapien nicht verhinderbar, sagte Bork. «In manchen Situationen lässt sich aber durch Therapie die Auftrittswahrscheinlichkeit reduzieren. Eine durch Behandlung verhinderte Sexualstraftat hat aber keinen Nachrichtenwert.»

© dpa-infocom, dpa:220807-99-302503/3


 

https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/das-klinikum/mitarbeiter/profil/1104


 

geschrieben von K13online-Redaktion am 08.08.2022 Drucken

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