Stellungnahmen der Staatsanwaltschaft und Nebenklagen erwartet: Verteidiger Prof. Dr. Ulrich Sommer stellt Beweisantrag für aussagepsychologische Gutachten zu allen sechs mutmaßlichen Opfer-Zeugen

Polizeiliche Ermittlungs- und Vernehmungsmethoden erinnern an die Wormser-Prozesse: Vernehmungsbeamte erklärten „Sie sind Opfer einer Straftat geworden, auch wenn sie sich vielleicht nicht so fühlen als Opfer .“ 

Im Beweisantrag für aussagepsychologische Gutachten(Glaubwürdigkeitsgutachten) von allen sechs mutmaßlichen Opfer-Zeugen erheben die Verteidiger des Kinderfotografen Achim Lippoth schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungs- und Vernehmungsmethoden der Polizei. Dies erinnert an die früheren Wormser-Prozesse, die alle zum Freispruch geführt hatten. Zitate: Schon die Ermittlungsakten sind ein beeindruckendes Dokument höchst einseitiger Ermittlungen. Diese Ermittlungen sind nicht neutral und ergebnisoffen geführt worden, sondern gingen ohne jeden Zweifel davon aus, dass Herr Lippoth in zahlreichen Fällen sich des sexuellen Übergriffs schuldig gemacht hatte. Herr KHK xxxxxx stellte gleich zu Beginn der Ermittlungen fest: „Der Beschuldigte ist pädokriminell.“ In Vernehmungen von Zeugen ließen die Ermittler keinen Zweifel daran, dass sie intensiv „daran arbeiten“, Herrn Lippoth lebenslang in den Knast zu bringen. Sie schreckten in ihrem Verfolgungseifer nicht zurück, Zeugen mit fragwürdigen Mitteln zu einer Aussage zu bewegen („mit Nachdruck“). So wurde –nachdem ein jugendlicher Zeuge strafbare sexuelle Übergriffe von Herrn Lippoth ausdrücklich bestritten hatte – dessen Mutter mit dem Satz angeschrieben: „Ihr Sohn ist offensichtlich Opfer einer Sexualtat geworden“, obwohl es hierfür nicht das geringste Anzeichen gab. Objektive Beweise, die stichhaltig sexuellen Kindesmissbrauch nachweisen, gibt es nicht. Allein der Glaube daran darf kein Maßstab für einer Verurteilung sein. Es dürfen keine Bedenken an der Schuld des Angeklagten bestehen. Die bisherige Beweisaufnahme kann nach rechtstaatlichen Grundsätzen zu keiner Verurteilung führen. Mit diesem Beweisantrag hat die Verteidigung auch Revisiongründe geschaffen, die dann zum Tragen kommen, wenn der Antrag vom Landgericht Köln rechtswidrig abgelehnt werden sollte. Abgelehnte Beweisanträge sind grundsätzlich Gründe für eine Revision beim Oberlandesgericht in Köln. Mit Stand von heute hat Lippoth alle Anschuldigungen bestritten. Die nächsten Gerichtstermine finden am Dienstag, den 16. August und am Donnerstag, den 18. August 2022 statt. Voraussichtlich wird das Landgericht Köln am 18. August über den Beweisantrag entscheiden... 

https://www.rundschau-online.de/region/koeln/prozess-gegen-koelner-fotografen-verteidigung-stellt-angeklagten-als-komplott-opfer-dar-39869318 (kostenpflichtig)



Die drei Verteidiger/in des Kinderfotografen Achim Lippoth

Prof. Dr. Ulrich Sommer

https://verte.net/rechtsanwaelte/prof-dr-ulrich-sommer.html & http://www.dr-sommer.de

Denise Gerull: https://kanzlei-gerull.de

Prof. Dr. Ralf Höcker: https://www.hoecker.eu


 

Der Medienanwalt Prof. Dr. Höcker hat eine Pressemitteilung mit dem 39-seitigen Beweisantrag herausgegeben. Die PDF-Datei liegt K13online vor. Im Folgenden zitieren wir aus der umfangreichen Begründung im Zusammenhang mit dem Artikel in der Kölnischen Rundschau. Im weiteren Verlauf des Gerichtsverfahren werden wir aus gegebenen Anlässen weitere Textstellen aus dem Antrag zitieren. 


Der Form nach war es ein Beweisantrag, was Verteidiger Prof. Ulrich Sommer am Mittwochmorgen rund zwei Stunden vor dem Landgericht vortrug. Dem Inhalt nach klang der Vortrag des 39 Seiten starken Schriftstücks dann aber eher wie ein Generalangriff. Polizei, Staatsanwaltschaft, Mütter ehemaliger Fotomodels sowie ehemalige Weggefährten und Kollegen des wegen sexuellen Kindesmissbrauchs angeklagten Fotografen (53), sie alle stellen sich in den Augen der Verteidigung als „komplex suggestives Umfeld“ dar. Dieses habe massiv Einfluss auf die Aussagen der sechs mutmaßlich Geschädigten genommen, die laut Anklageschrift in den Jahren 1999 bis 2018 Opfer von zum Teil schweren sexuellen Übergriffen des Angeklagten geworden sein sollen.

Zitate aus der Begründung des Beweisantrages(Seite 1 + 2 Auszüge)

Das Gutachten wird zu dem Ergebnis kommen, dass alle Aussagen der angeblich geschädigten Zeugen im Hinblick auf die in der Anklageschrift angeführten Sachverhalte keine ausreichende Zuverlässigkeit besitzen. Maßgebliche Ursache hierfür sind zum einen ein komplex suggestives Umfeld, in dem die Zeugen geprägt wurden und unter dessen Einfluss letztlich sowohl die polizeilichen als auch die gerichtlichen Aussagen gemacht wurden. Darüber hinaus weist keine einzige der in  der Beweisaufnahme vor Gericht gemachten Aussagen ausreichende Realkennzeichen auf, um die entsprechenden Aussagen als ausreichend erlebnisbasiert bewerten zu können.

Alle Zeugen weisen darüber hinaus psychische Auffälligkeiten auf, die zur Bewertung der wissenschaftlichen Unterstützung durch einen Aussagepsychologen bedürfen.

Ein Großteil des gesamten sozialen und beruflichen Umfeldes von Herrn Lippoth hat im Vorfeld der meisten Aussagen eine Atmosphäre erzeugt, die bei den Zeugen selbst nicht den geringsten Zweifel darüber aufkommen ließ, dass sie aufgrund der geschilderten Umstände zu den Opfern sexueller Übergriffe zählen müssten. Allen Jungen (mit Ausnahme von xxxx vor seiner allerersten Aussage) wurde ein Bild von Herrn Lippoth präsentiert, das dessen sexuelle Übergriffe an Kindern als nicht nur wahrscheinlich, sondern angesichts der erkennbaren Umstände als nahezu zwingend darstellte.

Geschädigte sollen begutachtet werden

Mit dem Antrag will die Verteidigung des 53-Jährigen erreichen, dass die sechs mutmaßlichen Geschädigten aussagepsychologisch begutachtet werden, um ihre Glaubwürdigkeit festzustellen. Das Gericht räumte Nebenklage und Staatsanwaltschaft eine Frist bis Ende kommender Woche zur Stellungnahme ein. Anschließend soll über den Antrag entschieden werden.

K13online Anmerkungen

Vermutlich wird die Staatsanwaltschaft diesem Antrag entgegen treten bzw. ablehnen. Ebenso die Nebenklage. Die Nebenklage sind die anwaltlichen Vertreter der mutmaßlichen Opfer-Zeugen. Die heute erwachsenen "Missbrauchsopfer" werden kaum Interesse daran haben, sich psychologischen Glaubwürdigkeitsgutachten zu unterziehen. Nach überwiegend 20 Jahren steht faktisch Aussage gegen Aussage. Objektive Beweise, die stichhaltig sexuellen Kindesmissbrauch nachweisen, gibt es nicht. Allein der Glaube daran darf kein Maßstab für einer Verurteilung sein. Es dürfen keine Bedenken an der Schuld des Angeklagten bestehen. Die bisherige Beweisaufnahme kann nach rechtstaatlichen Grundsätze zu keiner Verurteilung führen. 

Mit diesem Beweisantrag hat die Verteidigung auch Revisiongründe geschaffen, die dann zum Tragen kommen, wenn der Antrag vom Landgericht Köln rechtswidrig abgelehnt werden sollte. Abgelehnte Beweisanträge sind grundsätzlich Gründe für eine Revision beim Oberlandesgericht in Köln. Mit Stand von heute hat Lippoth alle Anschuldigungen bestritten.  

In dem Antrag zeichnete die Verteidigung von ihrem Mandanten das Bild eines Opfers einer Konspiration von Müttern von Fotomodels und ehemaligen Arbeitskollegen, die dem Angeklagten Böses wollten, weil sie beispielsweise abgeblitzt seien oder gefeuert wurden. Polizei und Staatsanwaltschaft bezichtigte Sommer, keine „neutralen“ Ermittlungen geführt zu haben. So habe ein Ermittler in dem Fall in einem Aktenvermerk geschrieben: „Der Beschuldigte ist pädokriminell.“ Das aber muss der Prozess erst erweisen.

In Vernehmungen mit Zeugen hätten die ermittelnden Beamten zudem durchblicken lassen, dass sie „mit Nachdruck“ daran „arbeiteten“ den Beschuldigten „lebenslang in den Knast zu bringen“.

Zitate aus der Begründung des Beweisantrages(Seite 5 - Auszüge)

Schon die Ermittlungsakten sind ein beeindruckendes Dokument höchst einseitiger Ermittlungen. Diese Ermittlungen sind nicht neutral und ergebnisoffen geführt worden, sondern gingen ohne jeden Zweifel davon aus, dass Herr Lippoth in zahlreichen Fällen sich des sexuellen Übergriffs schuldig gemacht hatte. Herr KHK xxxxxx stellte gleich zu Beginn der Ermittlungen fest: „Der Beschuldigte ist pädokriminell.“ In Vernehmungen von Zeugen ließen die Ermittler keinen Zweifel daran, dass sie intensiv „daran arbeiten“, Herrn Lippoth lebenslang in den Knast zu bringen. Sie schreckten in ihrem Verfolgungseifer nicht zurück, Zeugen mit fragwürdigen Mitteln zu einer Aussage zu bewegen („mit Nachdruck“). Belehrungen von Zeugen zu Beginn des Ermittlungsverfahrens gegen dahin, dass Herr Lippoth Sexualstraftaten „begangen“ hatte. Sie ließen sich auch nicht durch Fakten und Ermittlungsergebnisse von ihrer Überzeugung abbringen. So wurde – nachdem ein jugendlicher Zeuge strafbare sexuelle Übergriffe von Herrn Lippoth ausdrücklich bestritten hatte – dessen Mutter mit dem Satz angeschrieben: „Ihr Sohn ist offensichtlich Opfer einer Sexualtat geworden“, obwohl es hierfür nicht das geringste Anzeichen gab. Zeugen wurden schon in Anschreiben zur Zeugenvernehmung mit suggestiven Formulierungen überschüttet, die bereits vor Beginn einer Zeugenvernehmung keinen Zweifel an Herrn Lippoth als Straftäter aufkommen ließ. Niemals versäumten die Ermittlungsbeamten vor Vernehmungen darauf hinzuweisen, dass aktuell Herr Lippoth „in Haft“ sei. 

Stiefsohn Ziel von Angriffen

Ein Hauptangriffsziel in dem Beweisantrag stellte der ehemalige Stiefsohn des Angeklagten dar, der die Ermittlungen im vergangenen Sommer ins Rollen gebracht hatte. Ihn charakterisierte Verteidiger Sommer als „Ausgangspunkt der suggestiven Atmosphäre“ und „höchst manipulativen Menschen“. Wegen Konflikten mit seinem Stiefvater habe der Junge die Trennung seiner Mutter von dem Angeklagten herbeiführen wollen. Dabei habe er sich einer „Taktik“ bedient, „die angesichts des Zeitgeistes im Jahre 2021“ erfolgversprechend schien: „Einem Jahrzehnte lang erfolgreichen Kinderfotografen pädophile Neigungen anzudichten“, hieß es in dem Antrag.

Zitate aus der Begründung des Beweisantrages(Seiten zum Schluss) 

Allein die Trennung seiner Mutter von Herrn Lippoth versprach die Konservierung seines Status. Dass dies unschwer mithilfe von dubiosen Vorwürfen des sexuellen Übergriffs in der weiteren Vergangenheit bewirkt werden könnte, war auch xxxx geläufig. Erfolgversprechend war eine Taktik schon deswegen, weil nicht zuletzt angesichts des Zeitgeistes es im Jahre 2021 leicht war, einen jahrzehntelang erfolgreichen Kinderfotografen pädophile Neigungen anzudichten. Als xxxx diesen Weg dann einschlug, konnte er nur das Ziel der Trennung vor Augen haben. Schon am ersten Abend seiner Offenbarung konnte er sich sicher sein, seine Mutter auch mit undifferenzierten Angaben ausreichend beeinflusst zu haben. Er brauchte nur zu behaupten, dass Achim pädophil sei und sich damit begnügen, abstrakte Gegenfragen seiner Mutter zu bejahen. Womit er sicherlich nicht gerechnet hatte, war der anschließend auf ihn ausgeübten Druck. So hat die Beweisaufnahme ergeben, dass es gerade die Diskussion der ihn beratenden Erwachsenen war, die zur Fahrt zur Polizei noch in derselben Nacht führte. xxxxxx befand sich in einer Spirale, aus der er nicht mehr herauskam. Er musste seine Belastungen aufrechterhalten, konnte allerdings konkrete Sachverhalte nicht darlegen. Dementsprechend mager fiel die Protokollierung der Vorwürfe noch in der Nacht vom 10.6.2021 bei der Polizeiwache in Bergheim aus. 

Der Prozess wird weiter fortgesetzt.

Die nächsten Gerichtstermine finden am Dienstag, den 16. August und am Donnerstag, den 18. August 2022 statt. Voraussichtlich wird das Landgericht Köln am 18. August über den Beweisantrag entscheiden:

https://www.lg-koeln.nrw.de/behoerde/sitzungstermine/index.php 


 

https://de.wikipedia.org/wiki/Wormser_Prozesse


 

Weitere Zeugenaussagen vor dem Landgericht Köln in der Südwest Presse: Stadt-Anzeiger unterschlägt entlastende Aussagen zu Gunsten des Kinderfotografen Achim Lippoth 11.08.2022

Mütter früherer Kindermodels berichten: "Die Kinder haben den Kontakt – auch den körperlichen – gesucht, sagt die Mutter eines heute 31-Jährigen, der zusammen mit seinem Bruder Ende der 1990er Jahre als Model arbeitete" 

Der Kölner Stadt-Anzeiger hat bei seiner aktuellen Berichterstattung wichtige Zeugenaussagen unterschlagen, die den Kinderfotografen Achim Lippoth eindeutig entlasten. Dies geht aus einem Artikel in der Südwest Presse klar hervor. Zitate: Sexuelle Übergriffe nie erlebt. „Die Kinder haben ihn geliebt. Der war nicht aufdringlich. Die Kinder haben den Kontakt – auch den körperlichen – gesucht“, sagt die Mutter eines heute 31-Jährigen, der zusammen mit seinem Bruder Ende der 1990er Jahre als Model arbeitet. Sexuelle Übergriffe habe er nie erlebt, sagt er. Eine 52-Jährige, deren Tochter noch im vergangenen Jahr Fotomodell beim Angeklagten war, bezeichnete die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft als „wirklich absurd“. Weitere Mütter haben Aussagen vor dem Landgericht in Köln gemacht, die Lippoth für zu Unrecht angeklagt halten. Mit einem Klick auf weiterlesen gelangen Sie zu mehr Informationen. Am gestrigen Mittwoch(10. August) hat die Verteidigung einen umfangreichen Beweisantrag gestellt. Die 39-seitige Begründung liegt der K13online Redaktion vor. Die Verteidiger beantragen von allen sechs angeblichen Missbrauchsopfern aussagepsychologische Gutachten: Das Gutachten wird zu dem Ergebnis kommen, dass alle Aussagen der angeblich geschädigten Zeugen im Hinblick auf die in der Anklageschrift angeführten Sachverhalte keine ausreichende Zuverlässigkeit besitzen. Maßgebliche Ursache hierfür sind zum einen ein komplex suggestives Umfeld, in dem die Zeugen geprägt wurden und unter dessen Einfluss letztlich sowohl die polizeilichen als auch die gerichtlichen Aussagen gemacht wurden. In absehbarer Zeit werden wir über die konkreten Inhalte dieses Beweisantrages ein ausführliches News publizieren....

https://krumme13.org/news.php?s=read&id=4862 

... und viele weitere mehr....

geschrieben von K13online-Redaktion am 13.08.2022 Drucken

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