"Was nützt es dem Menschen, wenn er Lesen und Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen überläßt?" - Ernst R. Hauschka
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Text - Tagebuch einer Gefangenschaft: 18. Tag

Tagebuch einer Gefangenschaft: 18. Tag, Samstag, den 4. Juni 2016, in der JVA Bruchsal - Außenstelle Kislau - im angeblich "offenen Vollzug"

Nach dem täglichen Aufschluss und Wecken lesen ich mir alle meine bisher erhaltenen und geschriebenen Briefe nach "Draußen" nochmals durch. Beim Holen der Post im Schlossbau läuft mir der Redelführer aus der Zugangszelle über den Weg. Diesmal verhält ER sich auffallend ruhig. Der Grund wird vermutlich darin liegen, dass Ihm andere Gefangene und wohl der Schänzer nahe gelegt haben, mich ganz einfach in Ruhe zu lassen. Er soll demnächst ohnehin entlassen werden, denn ER muss nur eine Ersatzfreiheitsstrafe absitzen, weil ER die Tagessätze eines Strafbefehls nicht bezahlen konnte. Aber auch bei seiner Entlassung kann ich überhaupt nicht beruhigt sein, denn ER hatte nicht nur in der Zugangszelle, sondern überall andere Gefangene gegen mich aufgehetzt. Wie ein Schnellballsystem hat sich die Hetze verbreitet. Hat man erst einmal den Stempel "Kifi" aufgedrückt erhalten, dann wird man diesen auch nicht mehr los. Argumente sind sinn- und zwecklos.

Am Nachmittag bemerkte ich, dass die Haustür zum Revierbau am Samstag immer mit einer Fußmatte so versperrt ist, so dass die Tür offen bleibt. Am Wochenende ist kein Beamter im Revierbau. Wenn die beiden Schänzer auch nicht da sind bzw. gerade beim Hofgang, dann bin ich also ganz alleine im gesamten Revierbau. Es wäre kein Problem, dass ein agressiver Gefangener mal schnell durch die offene Tür über die Treppe in meine Zelle kommen würde. Das bereit mir zunehmend Sorgen. Ich werde die Fußmatte entfernen und damit die Tür schließen. Wer jetzt in den Revierbau will, der muss einen Beamten aus dem Schlossbau rufen, damit die Tür geöffnet wird. Meine Sicherheit ist wieder hergestellt.

Der Verwaltungs-Schänzer Messel kommt am Abend wieder auf meine Zelle 301 und gibt mir einen guten Ratschlag. Ich soll jeden Fall eines Angriffes sofort einem Beamten melden. Der Sinn und Zweck besteht auch darin, dass damit meine Zellenbelegung im Revierbau noch immer gerechtfertig ist. Das leutet mir ein, denn wenn die Beamten annehmen würden, dass hinsichtlich meiner Person sind die Lage völlig beruhigt bzw. normalisiert hat, dass dann wieder eine interne Verlegung zurück in den Schlossbau erfolgen könnte. Und dort würden die Angriffe mit Sicherheit wieder neu beginnen. Denn es herrscht nur oberflächlich "Ruhe" und einige Gefangene warten nur darauf, dass sich ihre Zurückhaltung in ihrem Sinne auszahlen wird. Genauso wird es auch bald eintreffen.

Was in der heutigen Nacht von Samstag auf Sonntag im Schlossbau geschehen wird, dass werde ich morgen berichten...


Tagebuch einer Gefangenschaft: 17. Tag, Freitag, den 3. Juni 2016, in der JVA Bruchsal - Außenstelle Kislau - im angeblich "offenen Vollzug"

http://krumme13.org/text.php?id=1227&s=read

geschrieben am 13.01.2017
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Autor K13online
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