"Ich fürchte nicht die Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern die Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten" - Theodor Adorno
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Text - Tagebuch einer Gefangenschaft: 32. - 34. Tag

Tagebuch einer Gefangenschaft: 32. Tag, Samstag, den 18. Juni 2016, in der JVA Bruchsal - Außenstelle Kislau - im angeblich "offenen Vollzug"

Heute am Morgen bringt die Sanitätsbeamtin Frau W. meinem neuen Zellengenossen "Oliver R." seine Medikamente, die er unter Aufsicht einnehmen muss. Ich gehe duschen und wir hören SWR4 Radio. Er schläft den ganzen Tag. Am Abend schauen wir gemeinsam TV. Mit "Messel" spreche ich kurz beim Rauchen im Bad über den gestrigen Arbeitstag in der Werkstatt U5. Das war es schon.

Tagebuch einer Gefangenschaft: 33. Tag, Sonntag, den 19. Juni 2016, in der JVA Bruchsal - Außenstelle Kislau - im angeblich "offenen Vollzug"

Auch heute werden "Oliver R." wieder die Medikamente gebracht. Es wird erzählt, dass er eine ansteckende Krankheit haben soll und auf die Hygiene besonders geachtet werden muss. Er igelt sich immer mehr in seiner Zellenecke ein. Wir sprechen nochmals über die Strategie unseres Verhaltens in der Werkstatt U5. Wir wollen dort nicht eng zusammen sein, sondern distanziert. Auf der Zelle 301 müssen wir aber miteinander sprechen und gut auskommen. 

Die Tür vom Revierbau in den Hof wird dieses Wochenende geschlossen sein. Das beruhigt mich sehr. Der Gefangene "Ali" war beim Hofgang und alles war ruhig. Um 20 Uhr kommt mal wieder "Messel" vorbei. Im Auftrag des Revier-Schänzers "Manu" verkündet ER uns Beiden, dass wir auf der Zelle 301 nicht mehr rauchen sollen, sondern nur noch im Bad. "Manu" ist ein notorischer Nicht-Raucher und übertreibt bei allem im Revierbau maßlos. Mich verwundert, dass "Messel" mit "Manu" so gut miteinander klar kommen, denn "Messel" ist auch Raucher und alles locker nimmt. "Oliver R." gebe ich die PIN für meine Telefonkarte. Um 20 Uhr schläft er schon, und ich schaue wieder alleine TV. 

Tagebuch einer Gefangenschaft: 34. Tag, Montag, den 20. Juni 2016, in der JVA Bruchsal - Außenstelle Kislau - im angeblich "offenen Vollzug"

Heute gibt mir der Sanitätsbeamte die Besuchserlaubnis von "Martin S. " und "Klaus G." bekannt. Ebenso wird mir mitgeteilt, dass das SG1 von "Andreas M." eingetroffen ist. Beim nächsten Einkauf kann ich also wieder für diese 62,50 Euro einkaufen.

In der Werkstatt U5 ist "Oliver R." und meine Person das Hauptthema. Alle Gefangenen bedauern, dass er nun mit einem "Kifi" auf der Zelle 301 liegen muss. Sie warten förmlich darauf, dass ich etwas falsch mache. Er könnte in Verdacht geraten, dass auch ER ein "Kifi" ist. Das könnte dazu führen, dass er sich gegen mich wendet. Er spricht auf unserer Zelle fast kein Wort mehr mit mir. Das er ein Plappermaul ist stellt sich immer mehr heraus. Er wird alles, was wir besprechen, in die Werkstatt U5 tragen. Während des Hofganges spricht er mit seinen ehemaligen Zellengenossen im Schlossbau. Ich versuche Ihm zu erklären, dass er jetzt auf einer anderen Zelle ist und mit mir auskommen muss. Auch ER genießt hier einige Privilegien, die er im Schlossbau nicht hat. Er schwankt hin und her und weiß nicht recht, was er tun soll. Am Abend schreibe ich wieder mehrere Briefe nach "Draußen"  

Ein Beamter händigt mir schon nach etwas mehr als einen Monat die Erklärung zur 2/3 Strafe aus. Bei meinem Einverständnis kann die Restfreiheitsstrafe zum 16. September 2016 zur Bewährung ausgesetzt werden. Am morgigen Dienstag werde ich diese Erkärung unterschreiben und in mein Online-Tagebuch einbauen.


Tagebuch einer Gefangenschaft: 29. bis 31. Tag in der JVA Bruchsal - Außenstelle Kislau - im angeblich "offenen Vollzug"

http://krumme13.org/text.php?id=1236&s=read

geschrieben am 09.02.2017
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Autor K13online
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