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Text - Tagebuch einer Gefangenschaft: 39. Tag

Tagebuch einer Gefangenschaft: 39. Tag, Samstag, den 25. Juni 2016, in der JVA Bruchsal - Außenstelle Kislau - im angeblich "offenen Vollzug"

Heute wird es wieder ein sehr heißer und schwüler Tag werden. In der letzten Nacht habe ich wegen der Vorfälle von gestern kein Auge zu getan. Früh am Morgen gehe ich gleich zum Sanitäter in den Revierbau - ein Arzt ist am Wochenende nicht da. Er gibt mir zwei Kapseln, und ich führe mit Ihm ein ausgibiges Gespräch wegen der Vorfälle in der Zelle 110. Am Montag soll ich wieder zurück in den Revierbau verlegt werden. Es wird aber nicht mehr so lange dauern. Heute Morgen hat der Beamte von der Kleiderkammer seinen Dienst im Schlossbau, der mich am 18. Mai 2016 eingekleidet hatte. Er kennt mich also und weiß wer ich bin. Er spricht mit den anderen Gefangenen auf der Zelle 110, aber diese halten sich nicht an seine Anweisungen. Ich sitze auf meinem oberen Etagebett und schreibe mehrere Briefe an Freunde sowie an meinen Rechtsanwalt, die natürlich erst am Montag verschickt werden können. Um 11 Uhr ist das Vorhängeschloss an meinem Spint zugedrückt und verschlossen und der Schlüssel fehlt. Während einer kurzen Abwesenheit muss das passiert sein. Ich habe aber noch den Ersatzschlüssel in der Tasche und kann den Spint wieder öffnen. Nun haben die vier Gefangenen freien Zugang zum Spint mit meinem Tagebuch, allen Briefen und Wertsachen. Ich berichte dem diensthabenden Beamten von diesem Diebstahl. Er tut nichts und zuckt nur mit den Schuldern. Fortan habe ich mein Tagebuch ständig bei mir und wenn ich auf dem Bett sitze liegt es unter meinem Kopfkissen.

So kann es unmöglich weiter gehen. Mit meiner Telefonkarte gehe ich in die Telefonzelle im Schlossbau - gleich neben dem Dienstzimmer - und rufe "Klaus G" an. Ebenso rufe ich meinen Koordinator "Frank Z." an. Beiden erläutere ich meine neue Bedrohungslage. Sie werden sich "Draußen" miteinander in Verbindung setzen und beraten, was nun zu tun ist. Samstags ist in den Zellen immer das Reinigen angesagt. Der sogenannte Zellen-Boss gibt mir dabei genaue Anweisungen, als wenn ich diese Tätigkeit nicht alleine durchführen kann. Mit "Zuckerbrot & Peitsche" wollen Sie von mir etwas Tabak haben. Der Gefangene von U5 gibt mir den Befehl zum Duschen. Vorher gehe ich jedoch zum Dienstzimmer und bitte den Beamten, mal kurz im Duschraum vorbei zu schauen. Das wird er auch tun und damit wird er einen geplanten Angriff auf mich verhindern. "Oliver R." aus dem Revierbau Zelle 301 kommt kurz vorbei und beschimpft mich - die anderen Gefangenen der Zelle 110 lachen sich ins Fäustchen. Um 17:15 Uhr bei der Ausgabe des Abendessens treffe ich "Messel" aus dem Revierbau wieder. Er schüttelt nur mit dem Kopf - von Ihm ist keine Hilfe zu erwarten. Der Gefangene im Etagebett unter mir pöbelt wieder rum. Der Typ ist total verrückt im Kopf. Der Sanitäter vom Revier bringt mir wieder zwei Kapseln, damit ich diese Nacht schlafen kann. Es wird nicht dazu kommen.

Die drei Gefangnen der Zelle sitzen am Tisch und unterhalten sich leise, während ich auf meinem Bett sitze und versuche zu schlafen. Sie warten bis der Beamte vom Nachtdienst seinen Dienst angetreten hat. Das wird um 20 Uhr sein. Um 20:15 Uhr bauen sich drei Wortführer vor meinem Bett auf, versperren mir den Weg und bombadieren mich mit Beleidigungen der übelsten Art: Ich soll mich doch umbringen oder freiwillig in den "Bunker" gehen. Sie machen Anspielungen, dass Sie meinen Schlüssel für den Spint haben. Sie bemerken natürlich, dass ich in meinem Bett fleißig in mein Tagebuch schreibe. Einer versucht, mir das Tagebuch zu entreissen. Die Zelle 110 soll eine Strafe für mich sein, lassen Sie verlautbaren. Um 21 Uhr mache ich die 1. Meldung an den Beamten des Nachdienstes. Der Beamte ist mir völlig fremd. Um 23 Uhr stellen sich die drei Gefangenen - nicht der Gefangene aus U5 - erneut vor meinem Bett auf und betreiben einen Psycho-Terror, den ich bisher in meinem ganze Leben noch nicht erlebt habe.

Spät in der Nacht mache ich die 2. Meldung bei dem Beamten des Nachtdienstes. Er verweigert trotz meiner erkennbaren Ängste die Rückverlegung in den Revierbau. Selbst mein Bitten & Betteln hilft nicht. Der Beamte kommt nochmals auf die Zelle und die vier Gefangenen tun ganz unschuldig, als wenn nichts passiert sei. Ich soll aber nun meine Habe packen und trage alles auf den Flur zur Notrufanlage. Vorher hatten die Gefangenen noch mein Bettzeug versaut. Der Beamte stellt mich vor die Alternative, entweder wieder in den Zugang zu gehen oder hier auf dem Flur zu schlafen. Ich werde auf dem Flur bleiben und die 2. Nacht kein Auge zu bekommen. Denn die Tür von der Zelle 110 in den Flur ist offen....

Am Sonntagmorgen werde ich wieder nach "Draußen" telefonieren - und einer meiner Freunde wird ein FAX an die Polizei in Bad Schönborn senden. Die JVA Kislau war nicht mehr in der Lage, für meine Sicherheit Sorge zu tragen. Das FAX wird an meinem 40. Online-Tagebuch veröffentlicht werden...


Tagebuch einer Gefangenschaft: 38. Tag, Freitag, den 24. Juni 2016, in der JVA Bruchsal - Außenstelle Kislau - im angeblich "offenen Vollzug"

http://krumme13.org/text.php?id=1240&s=read

geschrieben am 19.02.2017
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Autor K13online
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