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Text - Tagebuch einer Gefangenschaft: 40. Tag

Tagebuch einer Gefangenschaft: 40. Tag, Sonntag, den 26. Juni 2016, in der JVA Bruchsal - Außenstelle Kislau - im angeblich "offenen Vollzug"

Nach schlafloser Nacht im Flur des linken Schlossbau-Flügels begebe ich mich nach dem Aufschluss zum Dienstzimmer und übergebe dem diensthabenden Beamten des Frühdienstes mein Tagebuch und alle anderen wichtigen Dokumente. Damit ist den Gefangenen der diebstahlmäßige Zugriff darauf nicht mehr möglich. Auch diesem Beamten erläutere ich, was in der letzten Nacht geschehen ist. Er zuckt mit der Schulter und mehr passiert erst einmal nicht. Ich gehe während des Hofganges erneut in die Krankenabteilung - Revierbau - und erzähle auch dem dortigen Santitätsbeamen die strafrechtlich relevanten Vorfälle im Schlossbau der Zelle 110. Wieder lasse ich mir Medikamente geben, um diese psychisch schwer belastende Situation zu überstehen. Der Sanitäter nimmt die Bedrohungslage ernst und wird erkennen, dass dringender Handlungsbedarf besteht.

Auf dem Rückweg gehe ich erneut die Telefonzelle neben dem Dienstzimmer im Schlossbau und rufe nochmals einige Freunde "Draußen " an. Diesmal erreiche ich "Martin S." direkt am Telefon und muss nicht auf seinen AB sprechen. Rückrufe an mich sind nicht möglich. Wir beschließen, dass ER sich mit der Polizei telefonisch in Verbindung setzt. Im Anschluss des Telefongespräches wird ER das obige Fax an das Polizei-Revier in Bad Schönborn senden. Der Polizeibeamte wird sich mit der JVA Kislau telefonisch in Verbindung setzen und den obigen Sachverhalt vortragen.

Am Nachmittag kommt erneut das Sanitäter aus dem Revierbau zu mir in den Schlossbau und bringt mich wieder zurück in meine bekannte Zelle 301. Dort bin ich zu mindest keinem Psycho-Terror mehr ausgesetzt. Jedoch hat sich die Stimmung der zwei anderen Gefangenen "Oliver R. " und "Rainer B." inzwischen auch gegen meine Person gewandt. Beide sind überhaupt nicht mehr damit einstanden, dass ich in "Ihrer" Zelle bleiben soll. Sie können aber nichts dagegen tun, denn der Sanitätsbeamte hat zu meinen Gunsten entschieden. Meine Versuche, ein vernünftiges Gespräch mit den Beiden zu führen, ist letztendlich zum Scheitern verurteilt. Meine Anwesenheit wird lediglich noch geduldet. Über meinen weiteren Verbleib soll erst am Montag entschieden werden. Ich gehe Duschen und unterhalte mich danach auch mit "Messel" und "Manu", denen beiden Schänzern. Die Abneigung von den Beiden wird aber nicht deutlich, Sie verhalten sich neutral. Beim Gespräch im Bad mit "Messel" bemerkt er, dass ich am linken Bein in der Kniekehle einen Bluterguss habe. Dieser Bluterguss ist in der Zelle 110 durch einen Fußtritt von hinten entstanden. Im Anschluss gehe ich wieder runter in die Krankenabteilung zum Sanitäter und lasse mir eine Salbe geben. Ich bin natürlich davon ausgegangen, dass dieser Fußtritt und damit verbundene Körperverletzung in meiner Krankenakte vermerkt wird. Ob dies wirklich geschehen ist, wird sich erst jetzt nach meiner Entlassung herausstellen. Ich konnte erst jetzt die Ärzte von der Schweigepflicht entbinden. Die ermittelnde Kriminalpolizei hatte nun um die Entbindung der ärztlichen Schweigepflicht telefonisch an mich gebeten. Die Kriminalpolizei ermittelt jetzt nicht nur gegen die betroffenen Gefangenen, sondern auch wegen Amtsdelikte.

Am Abend bleibt es auf der Zelle 301 ruhig und friedlich. "Rainer B." ist der Ansicht, dass man solche Gefangene wie mich, separat unterbringen sollte. "Oliver R." hat sich völlig gegen mich gewandt und spricht kein Wort mehr mit mir. In der Nacht kann ich jedoch nach zwei Nächten ohne Schlaf "erstaunlich" gut schlafen. Am morgigen Montag wird von der JVA entschieden werden, dass ich von Kislau nach Bruchsal verlegt werde...


Tagebuch einer Gefangenschaft: 39. Tag, Samstag, den 25. Juni 2016, in der JVA Bruchsal - Außenstelle Kislau - im angeblich "offenen Vollzug"

http://krumme13.org/text.php?id=1241&s=read

geschrieben am 23.02.2017
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Autor K13online
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