"Was nützt es dem Menschen, wenn er Lesen und Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen überläßt?" - Ernst R. Hauschka
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Text - Tagebuch einer Gefangenschaft: 41. Tag

Tagebuch einer Gefangenschaft: 41. Tag, Montag, den 27. Juni 2016, in der JVA Bruchsal - Außenstelle Kislau - im angeblich "offenen Vollzug" und in der Hauptanstalt Bruchsal im geschlossenen Vollzug

(Verlegung/Abschied aus der JVA Kislau)

 

(Verlegung/Einweisung in die Hauptanstalt Bruchsal/Sternbau)

Am Montagmorgen warte ich auf der Zelle 301 im Revierbau auf die angekündigte Entscheidung über meinen Verbleib. "Oliver R." geht wie gewohnt zur Arbeit in die Werkstatt U5. Ich werde Ihn nicht wiedersehen. "Rainer B." liegt wie gewohnt in seinem Bett und liest ein Buch oder schläft. Die Revierbeamtin Frau W. frage ich, ob Sie den 3. Schlüssel für mein Vorhängeschloss hat. Ich erzähle Ihr, dass man mir meinen Schlüssel in der Zelle 110 im Schlossbau geklaut hat. Sie sucht an Ihrem Schlüsselbund, aber kann den 3. Schlüssel nicht finden. Auch ein Beamter hat natürlich einen Schlüssel für das Schliessfach im Schrank. Über die Rufanlage in der Zelle frage ich an, was denn nun geschehen soll. Der Beamte am anderen Ende der Leitung erzählt mir, dass ich heute verlegt werden soll. Wohin bleibt zunächst unklar.

Gegen 13:30 Uhr kommt der Vollzugsabteilungsleiter Herr F. auf die Zelle 301 und eröffnet mir meine Verlegung nach Bruchsal. Ich versuche Ihm zu erläutern, dass eine solche Verlegung eigentlich nicht notwendigt ist, denn ich sei hier im Revierbau sicher und vor Angriffen agressiver Gefangener geschützt. Daraufhin holt ER sich Verstärkung und drei weitere Beamte betreten die Zelle 301. Darunter ist auch der Beamte Herr D. Dieser erzält mir, dass die JVA einen Anruf von der Polizei in Bad Schönborn erhalten hat. Mein Freund "Martin S." hatte dort gestern angerufen und dann ein Fax geschickt. Später wird die JVA Kislau in Ihrer Stellungnahme an die StVollK behaupten, nichts über den Grund der Verlegung gewußt zu haben. Meine Personalakte sei verschwunden. Ich packe meine Habe in zwei Kästen und werde von den vier Beamten in die Kleiderkammer zum Ausschecken begleitet. Auch die beiden Schänzer "Messel" und "Manu" werde ich nicht wiedersehen. Bei der Abgabe meiner Sachen in der Kleiderkammer sehe ich durch das Fenster einen der Gefangenen aus der Zelle 110, der mich massiv bedroht hatte. Offensichtlich hatte Er keine Sanktionen erhalten. Die Abfahrt nach Bruchsal verzögert sich, weil das Fahrzeug für den Einzeltransport nicht anspringt. Am späten Nachmittag werde ich in Begleitung des Vollzugsabteilungsleiter Herr F. nach Bruchsal transportiert.

(JVA Bruchsal, 4. Flügel, 1. Etage rechts ist die Zelle 4226)

 

(Haftraum 4226 ist meine Einzelzelle bis Strafende)

Die Fahrt von Kislau nach Bruchsal dauert etwa 20 Minuten. In Bruchsal angekommen werde ich schnell in die Krankenabteilung - Revier - gebracht, weil der Arzt bald Dienstschluss hat. Mit einem Sanitäter erledige ich alle Formalitäten eines Neuzuganges. Der Arzt fragt mich nach den Gründen meiner Verlegung. Ich erzähle ansatzweise über die Vorfälle in Kislau. Er gibt mir deutlich zu verstehen, dass es hier genauso sein wird. Ich soll nichts über den Grund meiner Inhaftierung bzw. über die Deliktsart erzählen. Daran werde ich mich auch von Anfang an halten.

Auch in der Kleiderkammer ist es kurz vor Dienstschluss. Ich bekomme nur das Nötigste ausgehändigt. Auf meine Privatkleidung und alle Dokumente mit meinem Tagebuch werde ich bis zum Freitag warten müssen. Mir bleibt nur DAS, was ich am Leibe trage und bei mir habe. Ein Beamter bringt mich auf meine neue Einzelzelle 4226. Der Haftraum hat eine "Größe" von 10 qm "Lufträume". Mir kommt der autobiografische Roman von Nils Engelmann "Lufträume" in den Sinn. Mit wird auch klar, dass ich mich nicht mehr im vermeintlich offenen Vollzug befinde, sondern in einem geschlossenen Vollzug. Dieser Wechsel ist auch eine Art von Abstrafung, obwohl ich in Kislau das "Opfer" von Angriffen & Straftaten gewesen bin. Dennoch wird mir auch klar, das ich auf dieser Einzelzelle sicher und geschützt sein werde. Eine Knasthierachie auf einer Zelle wird hier nicht möglich sein. Am Abend bringt mir ein Beamter noch einen Wasserkocher, Seife und Zahncreme etc.. ! Ansonsten die Zelle noch so leer, wie auf dem obigen Foto abgebildet. Lediglich das Bett kann ich schon beziehen.

Die 1. Nacht in Bruchsal lässt mich die letzten vier Tage reflektieren. Diese Tage waren wohl die Schlimmsten, die ich bisher in meinem Leben überleben musste. Ich bin völlig im Unklaren, was mich die nächsten Tage hier mit den neuen Gefangenen und den JVA-Beamten erwarten wird. Vor Haftantritt hatte ich mich nur für die JVA Kislau erkundigt gehabt. Von der JVA Bruchsal weiß ich so gut wie nichts. Klar ist nur, dass alles wieder von vorne beginnen wird. Trotzdem bin ich zuversichtlicht, denn schlimmer wie in Kislau kann es hier nicht werden. Meine Hoffnungen werden sich in den nächsten Tagen bis Strafende bestätigen. Von kleinen Anfangsschwierigkeiten mal abgesehen. Meine diesbezüglichen und wenigen Meldungen an die Beamten werden letztendlich zum halbwegs reibungslosen Knastaufenthalt beitragen. Ich sage den Lesern/Innen meines Online-Tagebuches Guten Nacht und verbleibe bis morgen. Vielen Dank für Euer Interesse...


Tagebuch einer Gefangenschaft: 40. Tag, Sonntag, den 26. Juni 2016, in der JVA Bruchsal - Außenstelle Kislau - im angeblich "offenen Vollzug"

http://krumme13.org/text.php?id=1243&s=read

geschrieben am 26.02.2017
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Autor K13online
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