„Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren.“ Karl Popper
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Text - Tagebuch einer Gefangenschaft: 54. + 55. Tag

Tagebuch einer Gefangenschaft: 54. Tag, Sonntag, den 10. Juli 2016, in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

Heute bleibt es weiterhin sehr heiß und die Schwüle kommt noch hinzu. Mein im Duschraum eingefangener Hexenschuss hat mich die Nacht fast nicht schlafen lassen. Um 8 Uhr gehe ich mit anderen Gefangenen des 4. Flügels ins Kranken-Revier.

Der Sanitäter reibt mir auf der Liege meinen Rücken mit einer speziellen Salbe ein. Die Wirkung setzt sofort ein, denn es wird mir ziemlich heiß. Ich erhalte gleich sechs neue Tabletten gegen die Schmerzen. Dabei stellt er fest, dass ich mit den anderen zwei Medikamenten nicht gelistet bin. Vereinbare gleich einen Termin beim Arzt für Montagmorgen.

Zurück auf meiner Zelle 4226 lege ich mich gleich wieder ins Bett und höre nebenbei SWR4 im Radio. Trinke mit meinem letzten Zucker eine Tasse Kaffee. Ja, im Knast kann man nicht mal schnell in die Supermarkt fahren und neuen Zucker holen. Die Ausgabe des Mittagessens ist am Sonntag schon um 10:30 Uhr. Heute finden auch die Wahlen zu den Gefangenenvertretungen(GV) statt. Für den 4. Flügel haben sich die zwei schon gewählten Gefangenen zur Wiederwahl gestellt. Auf Anraten von "Andreas B." auf der 3. Ebene gebe ich meine zwei Stimmen dem Hilfsschänzer für das Abendessen, der meiner Zelle genau gegenüber liegt. Er wird wieder gewählt werden.

Dank der wirkungsvollen Salbe & Schmerztabletten gehe ich um 15 Uhr zu meinem 2. Hofgang. Im Hof ist kein Gefangener, der mir bekannt vor kommt. So drehe ich alleine meine Runden. Am Nachmittag spreche ich wieder mit "Peter K.", und er bringt mir sein blaues Netz für meine Privatwäsche. Das Netz für Privatkleidung mit 30 Grad ist blau. Das 1. Waschen meiner Bekleidung kann aber erst in der kommenden Woche am Freitag stattfinden. Ich bedanke mich bei "Peter K." mit einem kleinen Geschenk einer Tüte Erdnussflips. Am Abend wasche ich meine Sommerbekleidung - ohne Waschmittel, aber mit Seife -  selbst und hänge diese am Fenster zum Trocknen auf. Um 21 Uhr läuft im TV das Endspiel zur Fußball-Europameisterschaft . Gegen Mitternacht werde ich wohl eingeschlafen sein...

Tagebuch einer Gefangenschaft: 55. Tag, Montag, den 11. Juli 2016, in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

Die Hitze & Schwüle dauert weiter an, denn das versprochene Gewitter zur Abkühlung ist nicht hernieder gegangen. Gleich nach dem Aufschluss um 6 Uhr gehe ich wieder zum Duschen. Drei andere Gefangene stehen schon unter der Dusche - keiner spricht ein Wort. Die nächste Haftraumkontrolle steht vor der Tür. Mache wieder meine AOK-Übungen, denn ich brauche Bewegung für meine Gliederschmerzen. Um 13:30 Uhr werde ich zum Arzt abgeholt. Ein für mich neuer und junger Arzt hat diesmal Dienst. Erneut wird mein Rücken mit der Spezial-Salbe eingerieben. Die Schmerzen lassen nach. Die Ausgabe der Medikamente erfolgt separat durch einen Sanitäter. Ich sehe, wie andere Gefangene ihre Tabletten unter Aufsicht eines Beamten einnehmen müssen. Meine Medikamente werde ich in Zukunft einmal die Woche an meine Zelle gebracht erhalten.

Am Nachmittag gehe ich wieder zum Hofgang und drehe alleine meine Runden. Ich brauche unbedingt Bewegung vom vielen Sitzen auf dem Stuhl und Liegen auf dem Bett in meiner Zelle. Mein Hausarzt hatte mir Rückensport sogar bescheinigt gehabt, aber das scheint hier niemanden zu interessieren. Jedenfalls befindet sich diese Bescheinigung in meiner Krankenakte. Denn schon vor Haftantritt hatte ich die JVA angeschrieben und diesbezügliche Dokumente zugeschickt. Um 16:30 Uhr, kurz vor Einschluss, kommt "Peter K." wieder auf meine Zelle und bringt mir die Süddeutsche Zeitung(SZ) zum Lesen. Die JVA Bruchsal bekommt je ein Exemplar der SZ und die FAZ im ABO. Die Gefangenen können die beiden Zeitungen morgens im Dienstzimmer bei den Beamten holen. Allerdings muss man ziemlich schnell sein, denn sonst sind die zwei Exemplare schon weg. "Peter K." wird mir nach seinem Lesen bis Strafende entweder die SZ oder die FAZ fast täglich auf meine Zelle zum Lesen bringen. Auch an dieser Stelle möchte ich mich dafür nochmals herzlich bei Ihm bedanken. Denn ER wird von mir alle Beiträge in meinem Online-Tagebuch ausgedruckt und per Briefpost in den Knast geschickt bekommen, wenn ER darin genannt wird. Nach meiner Entlassung habe ich mit Ihm eine Brieffreundschaft bzw. privat-persönliche Gefangenenhilfe begonnen.

Am Abend und in der Nacht kommt zu allem Übel des Hexenschusses auch noch Durchfall hinzu. Muss andauernd zur Toilette gehen und lasse das Licht in dem kleinen abgetrennten Räumlein an. Seit vier Tagen habe ich keinen Tabak mehr - und bin vorübergehend  zum "Nicht-Raucher" geworden. DAS macht sich schon durch starkes Abhusten bemerkbar. Mein Tabak-Konsum wird sich bis Endstrafe wegen der bekanntlich sehr hohen Tabak-Preise und dem wenigen SG1 + HG ganz erheblich reduzieren bzw. zeitweise sogar bei NULL liegen. Ich hab damit aber keine großen Probleme, denn die Langeweile ist schlimmer. In einigen Tagen werde ich jedoch für meinen zeitweisen "Tabak-Notstand" einen Mitgefangenen auf der Zelle 4310 der 3. Ebene finden, der mir diesbezüglich aushelfen wird. Auch mit Ihm werde ich nach meiner Entlassung eine Brieffreundschaft & privat-persönliche Gefangenenhilfe beginnen. Meinen herzlichen Dank auch an Ihn, der in meinem Online-Tagebuch namentlich nicht genannt werden möchte. Die alltäglichen Probleme haben im Knast eine ganz andere Bedeutung, wie "Draußen" in Freiheit. Vermeintliche Kleinigkeiten werden zum Hauptthema und müssen bewältigt werden. Morgen geht es mit dem scheinbar belanglosen Knastalltag weiter....


Tagebuch einer Gefangenschaft: 52. Tag, Freitag, den 8. Juli 2016 und 53. Tag, Samstag, den 9. Juli 2016 in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

http://krumme13.org/text.php?id=1258&s=read

geschrieben am 17.03.2017
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Autor K13online
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