„Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren.“ Karl Popper
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Text - Tagebuch einer Gefangenschaft: 60. - 62. Tag

Tagebuch einer Gefangenschaft: 60. Tag, Freitag, den 16. Juli 2016, in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

Gleich nach dem Aufschluss um 7:30 Uhr hole ich vom Dienstzimmer einen Stiel zum nassen Aufwischen meiner Zelle. Jeden Samstagmorgen wiederholt sich dieses Ritual. Im Dienstzimmer ist eine Art Tafel angebracht und jeder Gefangene muss seine Zellennummer und den Namen dort vermerken, wenn ER einen Stiel abholt und wieder zurück bringt. Wohl aus Sicherheitsgründen dürfen keine Stiele auf den Zellen sein. Um 8:20 Uhr können sich die Gefangenen bei einem Hilfsschänzer u.a. Päckchen mit 20 Teebeuteln, Seife und Waschlappen etc. abholen. Neben einer Tasse hat jeder Gefangene auch ein kleines Kännchen. Mit dem Wasserkocher kann Tee oder Kaffee angerichtet werden. Am Hofgang nehme ich heute nicht teil. Mache wieder meine AOK-Übungen auf dem Bett. Erstmals habe ich keine Briefmarken mehr und muss erst den nächsten Brief von Freunden abwarten. Die kommen auch in letzter Minute von "Klaus G." und meinem Koordinator "Frank Z.". Muss mir allerdings vom Hilfschänzer rechts neben meiner Zelle eine Schere & Kleber ausleihen. Internetmarken müssen schon selbstklebend und ausgeschnitten sein, denn ich bin hier im Knast. Er schenkt mir auch ein zusätzliches großes Weißbrot von der Ausgabe des Abendessens. Ein Gefangener läßt mich auf dem Gang nicht durch und verstellt mir den Weg. Gehe einfach hinten herum - will mich mit dem Typen nicht unnötig anlegen. Er wird bald wegen einer Schlägerei mit einem anderen Gefangenen eine Sanktion erhalten - und für lange Zeit in seiner Zelle eingeschlossen bleiben. Später mehr dazu. Der TV-Abend schließt den Tag in die Nacht...

Tagebuch einer Gefangenschaft: 61. Tag, Sonntag, den 17. Juli 2016, in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

Gleich nach Aufschluss gehe ich wieder zum Duschen. Heute wird es ein angenehm sonniger Tag werden. Um 9 Uhr gehe ich zum Hofgang. Danach schlafe ich wieder bis 14 Uhr zum nächsten Aufschluss. Habe wieder Kopfschmerzen und muss Tabletten nehmen. Am Abend läuft ein Tatort im TV: Freigang - Das passt ja wie Arsch auf Eimer.

Tagebuch einer Gefangenschaft: 62. Tag, Montag, den 18. Juli 2016, in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

Die neue Woche beginnt wieder mit dem Ausflug zum Briefkasten und Mülleimer leeren. Erstmals bringt der Sani meine regelmäßigen Medikamente in die Zelle. Bis 10 Uhr ist wieder Schlafen angesagt. Damit man tagsüber auch schlafen kann muss man praktisch am Abend/Nacht lange TV schauen. Schließlich kann man keine 24 Stunden am Tag nur schlafen. Das kann nicht funktionieren. Am Nachmittag gehe ich wieder zum Hofgang und habe natürlich meine geile Sonnenbrille auf. Fühle mich gleich wie ein "richtiger Gängster". Auf der Zelle läuft ständig SWR4-Radio.

Erstmals gehe ich auf die Zelle 4324 auf der 3. Ebene zu "Peter K." Er hat am morgigen Dienstag seinen 51. Geburtstag. Sein Haftraum ist ziemlich leer. Das ist für einen Langzeit-Gefangenen ziemlich ungewöhnlich. Denn andere Gefangene, die schon viele Jahre im Knast sind, haben Ihre Zelle wohnlich mit vielen Dingen eingerichtet. Da stelle ich mir schon die Frage, warum bei Ihm nicht. Mir ist es völlig unverständlich, wie man den Knast in Bruchsal über 14 Jahre aushalten kann. Ich bin jetzt 62 Tage im Knast und habe schon dermaßen viel erlebt. Wie muss DAS erst bei "Peter K." sein?

Um 19 Uhr begegne ich dem BDL-Beamten auf dem Flur. Er fragt mich, ob ich mich gut eingelebt habe. Ich erzähle Ihm, dass ich mich hier aus den bekannten Gründen stark zurück halte. Er fragt mich weiter, ob ich mich hier in Bruchsal gegenüber Kislau verbessert habe. Ich bejahe und erzähle, dass es auf einer Einzelzelle besser ist, wie auf einer Gemeinschaftszelle. Er fragt mich weiter, ob ich am Sport teilnehmen will. Vielleicht könne ER dafür sorgen, dass ich schneller von der Warteliste komme. Daraufhin schreibe ich einen Rapportzettel und erinnere an meinen Antrag. Es wird noch einige Wochen dauern bis ich das 1. und letzte Mal zum Kraftsport gehe. Am Abend fülle ich schon mal meinen neuen Bestellschein zur Abgabe am kommenden Donnerstag aus. Das TV-Gerät läuft bis in die Nacht...


 

Tagebuch einer Gefangenschaft: 59. Tag, Freitag, den 15. Juli 2016, in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

http://krumme13.org/text.php?id=1261&s=read

geschrieben am 20.03.2017
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Autor K13online
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