"Was nützt es dem Menschen, wenn er Lesen und Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen überläßt?" - Ernst R. Hauschka
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Text - Tagebuch einer Gefangenschaft: 108. - 112. Tag

Tagebuch einer Gefangenschaft: 108. Tag, Freitag, den 2. September 2016 in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

Beim Aufschluss um 6 Uhr schlafe ich wie so oft in den letzten Wochen weiter, wenn der Beamte die Zellentür öffnet und kurz hinein schaut. In den ersten Wochen war ich immer schon wach oder sogar aufgestanden gewesen. Das macht jedoch überhaupt keinen Sinn. Ich verpasse absolut nichts. Peter K. schaut auch kurz rein und sagt "Guten Morgen" und verschwindet wieder. Heute ist wieder Privat-Wäschetausch. Liege den ganzen Morgen auf dem Bett und höre wieder SWR4-Radio. Auch mache ich einige AOK-Übungen gegen meine Gelenkschmerzen. Danach schreibe ich wieder Briefe nach "Draußen", diesmal in die Niederlande. Um 15 Uhr beim Hofgang schaue ich Peter K. und einem anderen Gefangenen beim Schachspielen zu und drehe zwischendurch meine Runden. Auch dem Gefangenen von Zelle 4310 statte ich einen kurzen Besuch ab. Die FAZ wartet im Dienstzimmer auf mich. Zum Abendbrot schenkt mir Peter K. wieder sein Abendessen - Wurst. "Gott sei Dank" ist er kein Wurstesser. Beim abendlichen TV-Schauen gibt es ein Stück Mamorkuchen und eine Tasse Kaffee. Mein täglich starrer Blick in meine Schrankwand verrät mir: Der Einkauf geht zu Ende!

Tagebuch einer Gefangenschaft: 109. Tag, Samstag den 3. September 2016 in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug 

Bei Aufschluss geht es wie jeden Samstag zum Dienstzimmer, den Stil zum Schrubber holen und die Zelle reinigen. Meine ausgeliehenen Bücher gebe ich im Dienstzimmer wieder in einen Korb zurück. Der Müllereimer muss mal wieder geleert werden. Auf dem Rückweg gehe ich kurz auf Zelle 4310 vorbei und lasse mir etwas Tabak geben. Heute ist auch wieder die Ausgabe des Frühstücks für 3 Wochen. Meine Umstellung von Schoko-Creme auf Marmelade hat geklappt. Die zwei Becher werden jedoch nach vier Tagen schon leer sein. Sowas nennt man im Knast hungern ohne Frühstück. Es ist unfassbar! Bis 13 Uhr höre ich SWR4 im Radio und gehe um 14 Uhr wieder zum Hofgang. Das gleiche Spiel wie gestern läuft ab. Danach kommt wieder Peter K. auf meine Zelle, und ich kündige Ihm an, dass ER meinen Resteinkauf haben kann, wenn ich zu 2/3 entlassen werden sollte. Die Anhörung dazu findet am 8. September statt. 2/3 Termin wäre dann der 16. September. Dazu wird es jedoch nicht kommen, was ich heute natürlich noch nicht weiß. Mein ausführlicher Bericht folgt in den nächsten Online-Tagebüchern. Mein Koordinator hat mir heute wieder geschrieben. Auch war Post von der hiesigen Polizei wegen meinen Strafanzeigen dabei. Der TV läuft wieder bis tief in die Nacht...

Tagebuch einer Gefangenschaft: 110 Tag, Sonntag, den 4. September 2016 in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug 

Ein Sonntag im Bett wäre die richtige Bezeichnung für den heutigen Tag. Um 14 Uhr raffe ich mich auf und gehe zum Hofgang an die frische Lust hinter Mauern. Bei der Rückkehr werde ich für 5 Minuten im Treppenhaus eingesperrt, weil die Türen schon geschlossen wurden. Der stellvertretende BDL öffnet mir und dabei frage ich kurz nach dem Transport von Bruchsal zur Strafvollstreckungskammer nach Karlsruhe. Er weiß von nix - mein Name ist Hase. Abends gibt es heiße Bockwurst zum Essen. Die Preisliste für Frischobst hängt schon im unteren Gang aus. Der nächste Einkauf wird am 13. September sein. Im TV laufen die Landtagswahlen in Mecklenburg Vorpommern...

Tagebuch einer Gefangenschaft: 111. Tag, Montag, den 5. September 2016 in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug 

Zum Wochenanfang bekomme ich wieder meine Tabletten auf die Zelle gebracht. Gegen Mittag hole ich mir wieder die FAZ aus dem Dienstzimmer zum Lesen am Nachmittag. Peter K. bringt mir meine vier geliehenen Bücher mit bei seinem Besuch auf meiner Zelle. Nach dem täglichen Hofgang um 15 Uhr passiert mal wieder überhaupt nichts im 4. Flügel und auf meiner Einzelzelle. Dieses Nichtstun ist wirklich sehr schwer zu ertragen. Jedenfalls nichts für einen Aktivisten wie mich. Hätte ich das viele Briefeschreiben nach "Draußen" nicht, dann wäre ich vermutlich schon durchgedreht. Deshalb an dieser Stelle nochmals meinen herzlichen Dank dafür. Natürlich sind alle Briefe noch vorhanden und ordentlich in den K13online Archiven dokumentiert worden.  

Tagebuch einer Gefangenschaft: 112. Tag, Dienstag, den 6. September 2016 in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

Heute bekomme ich wieder zwei Briefe von Freunden "Draußen", die es zu beantworten gibt. Nebenbei läuft - wie sollte es anders sein - SWR4-Radio. Beim Aufschluss um 11:15 Uhr gehe ich wieder allein zum Duschen. Mit Peter K. bespreche ich kurz meinen Transport nach Karlsruhe, der am Donnerstag stattfindet. Aber am morgigen Mittwoch bekomme ich erst einmal meinen nächsten Besuch in der JVA Bruchsal. Die Vorfreude ist groß, und ich hoffe, dass alles gut ablaufen wird. In meinem nächsten Online-Tagebuch werde ich darüber ausführlich berichten..


Tagebuch einer Gefangenschaft: 103. - 107. Tag

http://krumme13.org/text.php?id=1315&s=read

geschrieben am 04.08.2017
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Autor K13online
Seiten: 1
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