„In einem Rechtsstaat beugt sich der Staat nicht einer Mehrheit, sondern verteidigt das Recht des Einzelnen. Nur dafür ist er da und hat die Macht dazu von allen übertragen bekommen.“ - Sokrates
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Text - Tagebuch einer Gefangenschaft: 115. - 118. Tag

Tagebuch einer Gefangenschaft: 115. Tag, Freitag, den 9. September 2016 in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

Nach dem gestrigen Termin bei der StVollK in Karlsruhe kann ich schlecht schlafen und muss um 4 Uhr in der Früh eine Kopfschmerztablette einnehmen. Bei Aufschluss um 6 Uhr am Morgen schlafe ich wieder weiter. Gegen Mittag kommt Peter K. wieder auf meine Zelle zu Besuch. Heute bekomme ich gleich zwei Briefe aus den Niederlanden. Es sind Freunde der bekannten NL-Aktivisten, die ich bisher noch nicht kannte. Es gibt also auch aus den Niederlanden zunehmende Solidarität. Um 15 Uhr gehe ich gemeinsam mit Peter K. zum Hofgang und wir unterhalten uns über den gestrigen Gerichtstermin in Karlsruhe. Am Abend schaue ich wieder in die Glotze bis zum Abwinken..


 

Tagebuch einer Gefangenschaft: 116. Tag, Samstag, den 10. September 2016 in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

Samstags ist wie immer das Reinigen des Haftraumes angesagt. Der Buchkatalog ist im Moment nicht auf dem Dienstzimmer vorhanden - muss also später nochmals nachfragen. Um 9 Uhr gehe ich zum Duschen. Kurze Zeit später kommt der Hilfsschänzer hinzu, mit dem ich ganz gut klar komme. Im Anschluss schreibe ich wieder mehrere Briefe nach Draußen - insbesondere antworte ich den zwei Gleichgesinnten in die Niederlande. Danach besuche ich mal Peter K. auf seiner Zelle - die meiste Zeit ist es umgekehrt. Denn er hat nix auf seinem Haftraum - kein TV, kein Radio, nix. Ich frage mich, wie man das aushalten kann. Zum Hofgang am Nachmittag gegen wir Beide wieder zusammen. Der TV läuft am Abend bis tief in die Nacht.


 

Tagebuch einer Gefangenschaft: 117. Tag, Sonntag, den 11. September 2016 in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

Am Morgen werfe ich meine Briefe in den Kasten auf der 1. Ebene des 4. Flügels ein. Auf dem Rückweg hole ich mir vom Gefangenen auf Zelle 4310 einige Kippen zum Rauchen ab, die er immer für mich sammelt. Zum Hofgang gehe ich heute Morgen nicht, sondern schaue TV. Der Hofgang am Nachmittag findet wieder mit mir und Peter K. statt. Der 4310-Gefangene hat in seiner Zelle eine Weltkarte hängen, und wir unterhalten uns über Urlaub, Sonne und Freizeit. Ich erzähle Ihm und Peter K., dass ich am 14. September meinen 61. Geburtstag habe. Zur Abwechslung schaue ich mal kein TV, sondern höre wieder meinen Lieblings-Radiosender SWR4. Es geht immer hin und her: TV und Radio und TV und Radio usw...! Ansonsten kann man nur die Wände anschauen und das geht gar nicht. Denn das kleine Fenster ist ganz oben unter der Deck und man kann nur dann raus schauen auf den Hof, wenn man auf den Heizkörper klettert und sich an den Gittern festhält. Darauf kann man gut verzichten. Das wars für heute.


 

Tagebuch einer Gefangenschaft: 118. Tag, Montag, den 12. September 2016 in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

Am Montagmorgen kommt wieder der Sanitäter an die Zellentür und reicht durch die Türklappe meine wöchentlichen Tabletten durch. Die Sanitäter öffnen die Zellentür nicht. Auf dem Bett liegend höre ich SWR4 bis zur Ausgabe des Mittagessens. Beim Besuch von Peter K. unterhalten wir uns über meinen Resteinkauf, wenn ich am 16. September tatsächlich vorzeitig entlassen werden sollte. Ich würde die paar Lebensmittel dann in sein ausgeliehenes Wäschenetz legen und den Beamten bitten, Ihm alles zu geben. Denn eine persönliche Verabschiedung am Entlassungstag ist nicht möglich, weil er in seiner Zelle eingeschlossen sein wird. Zum Hofgang gehe ich diesmal alleine. Bis um 19:35 Uhr zum Einschluss unterhalte ich mich wieder zwei Stunden mit Peter K. auf meiner Zelle. Ja, wir Beide werden immer mehr ein gutes Team. Ich denke, dass er mich vermissen wird, wenn ich entlassen werden sollte. Peter K. hat schon viele Gefangene kommen und gehen sehen. Denn er ist schon 15 Jahre im Knast. Wenn ich mir diese lange Zeit vor Augen führe, dann ist es mir total schleierhaft, wie man DAS aushalten kann. Ohne dabei einen psychischen Schaden zu nehmen. Und ich weiß, dass er Draußen niemanden mehr hat und auch im Knast nur ganz wenige andere Gefangene kennt bzw. mit Ihnen spricht. Deshalb war mir schon zu dieser Zeit klar, und ich habe mich dafür entschieden, den Kontakt mit Ihm auch nach meiner Entlassung in Form einer Brieffreundschaft fortzuführen. Das hatte ich Ihm auch schon gesagt. Ich vermute jedoch, dass er mir dies nicht wirklich geglaubt hat, denn Knastversprechen sind in der Regel wie Schall und Rauch. So wird er sicherlich überrascht gewesen sein, dass innerhalb von einer Woche nach meiner Entlassung am 16. November 2016 ein Brief von mir in seinen Händen lag...


Tagebuch einer Gefangenschaft: 114. Tag, Donnerstag, den 8. September 2016 in der JVA Bruchsal im geschlossenen Vollzug

http://krumme13.org/text.php?id=1340&s=read

geschrieben am 29.09.2017
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Autor K13online
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