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Text - Herbsttagung der Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität 2001
Herbsttagung der Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität 2001

Thema: Selbstbefriedigung, Die Lust an und für sich


Bericht: Am Samstag, den 29. September 2001 fand die jährliche Herbsttagung der AHS zum Thema Selbstbefriedigung statt. Ort des Geschehens war im diesen Jahr die Berliner Humboldt-Universität. Mit etwas Verspätung begann die Veranstaltung mit der Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden der AHS. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich gerade einmal knapp 40 Personen in dem somit nur spärlich gefüllten Hörsaal eingefunden.

Als nächstes wurde vom AHS-Vorstand bekanntgegeben, dass eine Referentin abgesagt hat und ihr Vortrag "Hindernisse zwischen Kopf, Hand und Bauch" entfallen muss. Hierbei wäre es um Körperbehinderung und Masturbation gegangen. Als Ersatz für den Vortrag von Frau Dr. Stiemer wurde ein anderer Beitrag angekündigt.


Als erster Referent des Tages trat dann Dr. Karl Braun ans Rednerpult um zum Thema "Sexuelle Selbstbefriedigung als Krankheit" zu sprechen. Visuell unterstützt durch eine "pädagogische Bildergeschichte" aus dem 18. Jahrhundert bot der Referent einen historischen Abriss über die Irrtümer zum Thema Selbstbefriedigung. Die Bildergeschichte zeigt den Verfall und Tod eines jungen Mannes als Folge der Onanie. Damit wurde schon deutlich, dass man damals der Meinung war, dass sich junge Menschen zu Tode "wichsen" konnten. Zu dieser Auffassung gelangte man, weil man im 18. Jahrhundert glaubte, dass die Nerven eine Flüssigkeit wären, die in Röhren durch den Körper laufen. Und eben die Samenflüssigkeit hielt man für jenen "Nervensaft" in dieser "Epoche der Empfindsamkeit". So waren es die Philanthropen dieser Zeit, die Begründer der modernen Pädagogik, die einen Feldzug gegen die "Selbstbefleckung" führten. Bald setzte sich auch bei Ärzten und Theologen die Meinung durch, dass es sich bei der Onanie um eine Suchtkrankheit handelt, die unbehandelt zur Selbstzerstörung führt. Die jugendlichen Patienten wurden angesehen, wie Süchtige, denen geholfen werden muss. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde diese "Nerventheorie" zwar widerlegt, die Tabuisierung der Onanie hielt sich jedoch weitere hundert Jahre. Im Anschluss an diesen Vortrag folgte eine Diskussion, die u. a. ein paar interessante Äußerungen zum Thema Selbstbestimmung des Menschen enthielt.

Als Ersatz für für die ausgefallene Referentin gab es einen Beitrag des Sprechers der Berliner AG-Pädo Dieter Mazurek. Unterstützt wurde er von einem weiteren Referenten, der es leider versäumte sich vorzustellen. Grundlage des Vortrags war eine Studie zum Sexualverhalten junger Erwachsener Genaugenommen wurde hier das Masturbationsverhalten von Studenten zwischen 1966 und 1996 untersucht. Durchgeführt wurde diese Untersuchung von Prof. Dr. Giese vom Hamburger Institut für Sexualwissenschaft. Unterstützt wurde der Vortrag von zwei nicht sofort durchschaubaren Grafiken. Auf diese Studie im Einzelnen einzugehen dürfte kaum von Interesse sein. Interessant war jedoch der Teil bei dem auf die bis heute gültige Lehrmeinung in der Psychoanalyse eingegangen wurde. Hier wird von "Stufen der Entwicklung zur reifen Sexualität" gesprochen. Um mit dem Vortragenden zu sprechen bedeutet dies; vor dem "ficken" kommt das "wichsen". Am Ende steht jedenfalls immer und ausschließlich die "reife" Heterosexualität. Alle anderen Formen der Sexualität gelten demnach bei den Damen und Herren Psychologen/Psychiatern als krank. Das diese Auffassung nichts mit der Realität zu tun hat liegt auf der Hand. Tatsache ist es hingegen, dass es keine festen Entwicklungsstufen der Sexualität gibt. Auch die Selbstbefriedigung hat selbst innerhalb einer Partnerschaft einen eigenen Stellenwert und eine eigenständige Bedeutung. An Bedeutung gewinnt die Onanie insbesondere für die Angehörigen sexueller Minderheiten, denen ein reales praktizieren ihrer Sexualität aufgrund bestehender ungerechter Gesetze, verwehrt ist. Hierzu gehören unter anderem Kinder/Jugendliche und Pädophile. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Not- und Trostonanie. Dieses waren dann auch die wichtigsten Aussagen des Vortrages bei dem man dann auch auf die Problematik sexueller Minderheiten wenigstens am Rande zu sprechen kam.

Nach der verspäteten Mittagspause stand dann noch die Sexsucht schwuler Männer und die Masturbation bei Frauen auf dem Programm. Es macht hier denke ich kaum Sinn auf diese Themenkomplexe einzugehen. Da wir uns vor allem das letzte Thema nicht antun wollten haben wir die Veranstaltung vorzeitig verlassen.

geschrieben am 19.04.2003
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Autor Frank Freitag
Seiten: 1
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