Was gibt es heut bei der Polizei (Kröhnke Roman)

Friedrich Kröhnke
Was gibt es heut bei der Polizei?
Roman
Gebundene Ausgabe: 162 Seiten
Verlag: Ammann Schweiz 1989
ISBN-10: 3250101095
Preis 15,20 Euro 
 
 
 
Die beiden Helden dieses Romans machen nach außen einen gezähmten Eindruck, eine "Arbeitsbeschaffungsmaßnahme" hat sie für zwei Jahre im Stadtarchiv zusammengeführt, wo sie "Aktenniederschlag" zum Alltagsleben der kleinen Leute seit 1484 erfassen. Beide sind eher klein und gehen nicht ganz gerade. Doch jeder hat eine große Leidenschaft, nach Feierabend, und geträumt und geplant wird auch im Dienst. Der eine lebt für die Sozialdemokratie, für seine Partei - der andere als Päderast und chicken-dawk, für seine Bengelchen, die Pänz. Während der eine ein kriminelles Schattenleben führen muß, unerkannt von den Bürgern auf den Bahnen der "Ameisenstraße" - zwischen Hauptbahnhof und Altstadt-, ist der andere auf Du mit den Persönlichkeiten der Stadt, den "Genossen", und beinahe zufrieden mit der demokratischen Ordnung. Wenn sie mittags zusammen in die Polizeikantine am Waidmarkt essen gehen, sieht der eine, wovor er Angst hat, Polizeimacht und Bürokratie, die von der Partei des anderen doch schon "gebändigt" sei. Der Roman erzählt aber auch vom Leben der Pänz, von Sascha, Mirko, Orhan und all den anderen, die zwischen Jugendheim, Straße und Strich vagabundieren, in Banden klauen gehen und Leim schnüffelnd sich berauschen. Und irgendwann will der chicken-hawk, längst ein Aktenvorgang im Polizeipräsidium, keiner mehr sein und alles ungeschehen machen.

Was gibt es heut bei der Polizei? ist kein lautes Buch, es zeigt die kleinen Gesten und Dialoge, erzählt distanziert in einer unprätentiösen, oftmals hintergründigen Sprache. Manchmal ist der Ameisenpfad bis in sein Bett verländert.

"Wären die Leute nicht so dumm und unfähig, die ganz eigene Geografie der flinken kleinen Wesen zu begreifen, dann würde ihnen im Treppenhaus verstreute Kippen oder Pommes frites etwas sagen. Kranick wird im Haus freundlich gegrüßt. Und sonst, fragt Esselborn, interessierst Du Dich für nichts? Für nichts als das, sagt Kranick." 

geschrieben von Kröhnke, Friedrich am 04.01.2020 - ID: 67 - 5732 mal gelesen Drucken

Copyright by K13-Online-Redaktion